Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

daß sie Farben hören, während er Farben roch, oder wennman will: daß sie im Ohr ein Auge haben, während er mitder Nase sah. Bei Verlaine finden wir sein Gemisch von Wollustund Frömmigkeit wieder, Swinburne errichtete eine englische Aus-lieferungsstelle seines aus Geilheit und Grausamkeit zusammen-gesetzten Sadismus, seiner Mystik und seiner Lust am Verbrechenund ich fürchte, daß selbst der sonst so reiche und eigenartigeCarducci zuSatans Litaneien" von Baudelaire Hinübergeblinzelthat, als er seine berühmteOde an Satanas" dichtete.

Den Diabolismus Baudelaires pflegten besonders Villiersde I'Jsle Adam und Barbey d'Aurevilly. Diese beiden habenaußer der allgemeinen Familienähnlichkeit der Entarteten nocheine Reihe besonderer Züge mit einander gemein. Villiers undBarbey dichteten sich, wie Gestörte es häufig thun, eine fabel-hafte Abstammung an; jener wollte ein Abkömmling des be-rühmten Marschalls und Malteser-Großmeisters (der als solcherunverheiratet war, wohl gemerkt!) Grafen de l'Jsle Adam seinund forderte eines Tages in einem Schreiben an die Königinvon England kraft seines Erbrechts die Herausgabe von Malta.Barbey legte sich den adeligen Beinamen d'Aurevilly zu underzählte sein Leben lang von seinem hochedeln Geschlechte, dases gar nicht gab. Beide stellten einen fanatischen Katholizis-mus theatralisch zur Schau, schwelgten aber gleichzeitig instudirter Gotteslästerung?) Beide gefielen sich in Sonderbar-keiten der Tracht und Lebensweise und Barbey hatte die unsbereits bekannte Gewohnheit der Graphomanen, seine Briefeund schriftstellerischen Arbeiten mit verschiedenfarbigen Tintenzu schreiben. Villiers, noch mehr aber Barbey d'Aurevilly,

') Paulhan, a. a. O. S. 92:Er" (Villiers)heuchelte denGlauben eines Priesters und ergötzte sich an Lästerung. Das Recht,Gott zu lästern, betrachtete er als sein persönliches Eigenthum. . .Dieser katholische Bretone liebte die Gesellschaft Satans noch mehr alsdie Gottes."