II. Pciriilissier und Diciboliker.
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ohne ihn zu bemerken und ohne bei ihm zu verweilen. DieLiebe zum Schlechten ist nicht etwas allgemein Menschliches,sie ist eine „Verirrung" und „Verderblich", und sie ist „eineder tausend Formen des Beschränktseins auf sich selbst" chr«;-plimnent 8ur soi^), anders gesagt, kurzer und deutlicher: derJch-Sucht.
Das Schristthum des Strafrechts und der Jrrenheilkundeverzeichnet Hunderte von Fällen der Verirrung, in welchen derKranke eine leidenschaftliche Vorliebe für das Schlechte, dasGräßliche, für Leid und Tod empfand. Ich möchte nur einenbezeichnenden Fall dieser Art anführen: „Im Herbst 1884 starbin einem schweizerischen Gefängniß die Massenmörderin MarieJeanneret. Nach einer guten Erziehung hatte sich dieselbe derKrankenpflege gewidmet, nicht im Drange eines wohlthätigenGemüthes, sondern zur Befriedigung einer wahnsinnigen Leiden-schaft. Die Schmerzen, das Stöhnen und die Gesichtsver-zerrungcn der Kranken bereiteten ihr eine geheime Wollust.Auf den Knieen und mit Thränen bat sie die Aerzte, gefähr-lichen Operationen beiwohnen zu dürfen, um ihr Gelüst stillenzu können. Der Todeskampf eines Menschen bot ihr den
höchsten Genuß. Unter dem Vorwände einer Augenkrankheithatte sie mehrere Augenärzte konsultirt und ihnen Belladonnaund andere Gifte entwandt. Ihr erstes Opfer war ihreFreundin, andere folgten, ohne daß die Aerzte, denen sie sichals Pflegerin empfahl, Verdacht schöpften, zumal sie die Stätteihres Wirkens häufig wechselte. Ein vereitelter Versuch inWien führte zur Entdeckung; sie hatte nicht weniger als neunMenschen vergiftet, fühlte aber darüber weder Neue noch Scham.Im Gefängniß war ihr eifrigster Wunsch, schwer zu erkranken,um sich an den eigenen Gesichtsverzerrungen im Spiegel weidenzu können?")
') Oswald Zimmermann, Die Wonne des Leids. Beiträge zurErkenntniß des menschlichen Empfindens in Kunst und Leben. Zweite