Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

irrung des Geschmackes sucht der Kranke mit Gier Alles zu ver-schlingen, was sonst den tiefsten Ekel erregt, das heißt triebhaftals schädlich empfunden und darum zurückgestoßen wird, alsoverwesende organische Stoffe, Unrath, Eiter, Husten-Auswurfu. dgl. In der Verirrung des Geruchs zieht er Fäulniß-gerüche Blumendüften vor. In der des Geschlechtssinnes hater Begierden, die dem Zwecke des Triebes, nämlich der Er-haltung der Gattung, gerade zuwiderlaufen. In der Ver-irrung des Sittlichkeits-Triebes ziehen den Kranken die Hand-lungen an und bereiten ihm Wonne, die den Gesunden mitAbscheu und Grauen erfüllen. Tritt also zur Jch-Sucht diesebesondere Verirrung, so haben wir nicht mehr blos die stumpfeGleichgiltigkeit gegen das Verbrechen vor uns, die den morali-schen Irrsinn kennzeichnet, sondern die Freude am Verbrechen.Der Jch-Süchtige dieser Gattung steht dem Guten und Bosennicht mehr blos unempfindlich und ohne Unterscheidungs-Fähig-keit gegenüber, sondern er hat eine entschiedene Vorliebe fürdas Böse, schätzt es bei Anderen, thut es selbst jedesmal, wenner nach Neigung handeln kann, und erkennt ihm die eigeneSchönheit zu, die der gesunde Mensch am Guten findet.

Je nach der Gesellschafts-Klasse, welcher der Jch-Süchtige,mit oder ohne Perversion des Sittlichkeits-Triebes, angehört, undje nach seiner persönlichen Eigenart wird sich seine sittliche Stö-rung natürlich verschieden kundgeben. Als Mitglied des Standesder Enterbten ist er entweder blos ein verkommener und ver-sumpfter Mensch, den Gelegenheit zum Diebe macht, der mit

Abweichung von den Gesetzen, welche die besondere Empfindungsweiseder Organe und Fähigkeiten regieren. Mit diesem Worte wollen wirdie Fälle bezeichnen, in welchen die Beobachtung eine widernatürliche,ausnahmsweise und gänzlich krankhafte Veränderung festzustellen ge-stattet, eine Veränderung, die eine greifbare Störung im regelmäßigenArbeiten einer Fähigkeit herbciführt." Oos aberrations äu sons-nosigns. Huatriöms öäition. Paris, 1887. S I, Fußnote.