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Die Jch-Sucht.
Schlecht leitende Sinnesnerven, stumpfe Wahrnehmungs-Zentren im Gehirn, Willensschwäche und das durch sie be-dingte Unvermögen zur Aufmerksamkeit, krankhaft unregelmäßigeund heftige Lebensvorgänge in den Zellen sind also die orga-nischen Unterlagen, auf welchen die Jch-Sucht erwächst.
/ Der Jch-Süchtige muß nothwendig feine eigene Wichtig-keit und die Bedeutung seines ganzen Thuns außerordentlich- überschätzen, denn er ist nur von sich und wenig oder gar nichts vom Weltbild erfüllt und darum nicht im Stande, sein Ver-s hältniß zu den anderen Menschen und zur Welt zu begreifenl und die Rolle seiner Thätigkeit in den Gesammt-Verrichtungender Gesellschaft richtig zu würdigen. Man wäre nun vielleichtgeneigt, die Jch-Sucht mit dem Größenwahn zu verwechseln.Zwischen beiden Zuständen besteht aber ein bezeichnender Unter-schied. Allerdings ist auch Größenwahn, ganz wie seine klinischeErgänzung, der Verfolgungswahn, durch krankhafte Vorgängeim Innern des Organismus veranlaßt, die das Bewußtseinzwingen, seine Aufmerksamkeit unausgesetzt dem eigenen leib-lichen Ich zu widmen; und zwar gibt unnatürlich gesteigertebiochemische Thätigkeit der Organe die angenehm überschweng-lichen Vorstellungen des Größenwahnes, verlangsamte oder-krankhaft zweckwidrige dagegen die peinlichen des Verfolgungs-wahns?) Allein im Größen- wie im Verfolgungswahn be-kümmert sich der Kranke fortwährend um Welt und Menschen,in der Jch-Sucht dagegen sieht er von ihnen nahezu voll-
Dies ist keine bloße Annahme, sondern eine wohlerwieseneThatsache. Hunderte Untersuchungen von Bück, Weill, Möbius, Charrin,Mairet, Bose, Glosse, Laborde, Marie u. A. haben festgestellt, daß beiGeisteskranken in und nach Erregungszuständen der Harn giftiger, dasheißt an verbrauchten und aüsgeschiedenen organischen Stoffen reicher,nach Zuständen der Niedergeschlagenheit weniger giftig, also an Zer-fallstoffen ärmer ist als bei Gesunden, ein Beweis, daß bei jenen derStoffwechsel in den Geweben krankhaft gesteigert oder verlangsamt ist.