Spannung mit Frankreich und dem Kaiser. 431
Kurfürsten Vater verzichtet worden. Das Privilegium äs vonuppellimdo sei überflüssig. Wenn er darauf kalte, daß gut Rechtgesprochen werde, würden seine Unterthanen sich nicht nachSpcier oder Wien wenden. Er möge die Stände bewegenselbst darauf zu verzichten. Die Verwendung für die Evange-lischen wurde sehr übel genommen ').
Auch im nächsten Jahre erneuerte der Kurfürst, obwohlohne Erfolg, seine Ansprüche auf die schlesischen Fürstcnthümer.Diese üble Stimmung des Kaisers hielt den Kurfürsten nichtab sich bei den steigenden Bedrückungen der Reformirtcn inFrankreich immer mehr von Ludwig XIV. zu entfernen, wozudessen gefährlicher Feind, Wilhelm von Omnien, viel beitrug.Mit diesem war der Kurfürst, ohngeachtet einer vorübergehen-den Spannung, weil Beide über den mit Frankreich abge-schlossenen Waffenstillstand entgegengesetzter Meinung waren,bald wieder im guten Vernehmen. Wilhelm bedurfte des Kur-fürsten zu dem großen europäischen Bunde, welchen er nochimmer gegen Frankreich errichten wollte, und wegen seiner ge-heimen Absichten aus die englische Krone. Jetzt gewann auchder ehemalige Professor der Rechte in Duisburg, dann gehei-mer Kammer- und Staatssecretair und seit kurzem geheimerRath v. Fuchs, ein höchst gewandter Staatsmanns, großenEinfluß auf den Kurfürsten und arbeitete, dem Prinzen vonOranien ergeben, als brandenburgischcr Gesandter im Haagfür dessen Entwürfe. Überhaupt waren einige geheime Näthefür Frankreich, andere für Österreich und für Holland. Nichtweniger thätig war auch der holländische Gesandte Amerongenin Berlin. Gleich nach dem Abschlüsse des zwanzigjährigenWaffenstillstandes mit Frankreich wurde von Wilhelm von Ora-
1) kukenäork XIX. §. 1.
2) Es ist sehr zu bedauern, daß Klaproths Verzeichniß der ge-heimen Staats-Räthe nicht sorgfältiger gearbeitet, ja daß nicht einmalPufendorfs Werk dabei vollständig benutzt worden ist. Wie viel mehrLeben und Farbe würde die Geschichte erhalten, wenn von den einzelnenbedeutenden Männern mehr bekannt wäre als Familien - und Ortsnamenund Jahreszahlen mit allgemeinen Bezeichnungen. Solche, doch acten-gemäße, gründliche Biographien sind wenigstens ebenso viel wcrth alsMarmor-und Bronze-Bildsäulen, welche man noch dazu den Männern,welche nicht mit dem Schwerte dienten, gar nicht setzt.