432 Buch IV. Sechstes Hauptstück.
nien der Entwurf eines allgemeinen Bündnisses gegen Frank-reich unter einer neuen Form wieder ausgenommen- Er schickteeinen französischen reformirten Prediger, Gaulticr aus Mont-pellier, dessen Kirche geschlossen worden und der darauf nachHolland gegangen war, des Prinzen Wilhelm Vertrauen er-worben und dessen geheime Entwürfe wenigstens zum Theilekennen gelernt hatte, nach Berlin. Gaultier musste dem Kur-fürsten persönlich in mehrern Audienzen vorstellen, daß dieProtestanten im Kölnischen, in Ungarn, Schlesien, Mahrenund Österreich und an andern Orten bedrohet würden, inFrankreich ihrem Untergange nahe waren. Er schlug nun demKurfürsten vor, dagegen eine Vereinigung aller evangelischenFürsten zu gründen. Der Prinz von Oranien erkläre sich be-reit dem Bunde beizutreten und in Schweden dafür zu wir-ken. Der Kurfürst solle alle Ehre des Unternehmens habenund an der Spitze des Bundes, der Prinz von Oranien un-ter seiner Leitung stehen; die evangelischen Fürsten müsse mandurch weltliche Vorthcile, nämlich durch Gewährleistung ihrerBesitzungen gegen die jetzt mächtigen katholischen Staaten ge-winnen und dafür sorgen, daß der Kaiser und dessen jesuitischeRäthe nicht Argwohn schöpften. Man müsse eilen, um Mit-tel zu haben, die Verfolgung der Evangelischen in allen jenenLändern zu hemmen '). Ein solcher Antrag entsprach sowohldem Ehrgeize des Kurfürsten als seinem aufrichtigen Neligions-eifer. Dazu wünschte er seinem Sohne Ludwig, die Kurfür-stin dagegen ihrem ältesten Sohne Philipp die Anwartschaftauf die Statthalterwürde nach dem Tode Wilhelms zu ver-schaffen , und dieser ging gern darauf ein, obwohl er die Er-folglosigkeit dieser Bemühungen einsehen musste ^). Der TodS. Febr. König Karls und die Thronbesteigung des katholischen Jakob1685 erhöheten den Eifer des Kurfürsten für die evangelische Sache.
1) Nsmoirss iles kofuxies 1. I. p. 357. Vergl. cl'^vaux l'. IV.p. 120. 132. u. 1. V. p. 135.
2) ä'^vaux 1. I. p. 140. und V. V. p. 23 u. 135. Schon imFebruar 1683 wurde für Ludwig, im Juni 1685 und im Mai 1686 fürPhilipp verhandelt; Wilhelm war nicht so gewissenhaft, nicht auf beideVorschläge auch wohl zugleich einzugehen, ohne weder den einen noch denandern ernstlich anzunehmen.