Einleitung.
Dis zum Negierungs-Antritte Friedrich Wilhelms sahen wirnur einzelne Provinzen, welche in weiter Ausdehnung, vomMeinen bis über den Rhein, zerstückelt, ohne äussern und in-ner» Zusammenhang untereinander als den der gemeinschaft-lichen Herrscher, den Kurfürsten von Brandenburg als solchenoder auch sonst als Reichsfürsten und als polnischem Lehnsher-zoge gehorchten. Die wenn auch schon durch die Zeit erschüt-terten Rechte und Freiheiten der Stande, die verschiedenenFormen der Gesetzgebung und Verwaltung jedes der Landerhatten, wenigstens äusserlich noch, größtenteils den Anstrich,welchen sie aus dem Mittelalter herübergebracht hatten, be-schrankten die freie Gewalt der Fürsten und verhinderten dieEinheit der Regierung.
Da wird durch das Genie Eines Mannes aus der Ver-einzelung Einheit, aus der Verschiedenheit Gleichheit, aus derVerwirrung Ordnung, aus den abgesonderten Provinzen einStaat, der, neu im europäischen Staatensysteme, sich seinenPlatz mit klug gehandhabten Waffen erobern und immer schlag-fertig behaupten muß, Deutschland politisch in zwei großeHälften spaltet, das alte System des Reichs erschüttert, dasder europäischen Staaten verändert. Das ist die Wirkung derunbeschränkten Fürstengewalt, welche alle Selbständigkeit derEinzelnen und der Körperschaften beseitigte oder brach und mitfreier Verfügung die Gesammtkrast aller Unterthanen zu EinemZiele, der Erhöhung der Staatsmacht, verwendete. Ohne dieseunbeschränkte Gewalt hätte damals kein stehendes Heer, dasStenzel Gesch. d- Preussisch. Staats II. 1