418 Buch IV. Sechstes Hauptstück.
Die Franzosen, um den Kaiser der Unterstützung Lüneburgszu berauben, wendeten alle Mühe an, einen Krieg gegen das-selbe zu erregen, und Dänemark war sehr bereit dazu. Alleinvergebens waren alle Vorschläge der Franzosen, um den Kur-fürsten zur Theilnahme zu bewegen, die Herzoge von Lüneburgund Hannover zu unterdrücken, er verhinderte vielmehr endlichsogar durch ernstliche Drohungen den Ausbruch der Feindselig-keiten, was freilich beiden Theilen gleich unangenehm war,denn auch die Lüneburger hofften etwas erobern zu können').
So viel Mühe sich nun auch Wilhelm von Oranien gabeinen möglichst allgemeinen Krieg gegen das so gewaltig umsich greifende Frankreich zu bewirken, so wenig auch der Kai-ser nach dem Entsätze Wiens geneigt war den FederungenLudwigs XIV. nachzugeben: so thätig vermittelte doch der Kur-fürst, daß endlich in Regensburg der für Deutschland so nach-15. Aug. theilige zwanzigjährige Waffenstillstand abgeschlossen wurde, welcher1684 den Franzosen Strasburg und alle dem Reiche bis zum 1. August1681 genommenen Plätze ließ, den Friedrich Wilhelm gewähr-leistete, weil er bei der Fortdauer des Kriegs gegen die Türken esschlechterdings für unmöglich hielt, es zugleich mit dem wohl-gerüsteten und bereits drohend anrückenden Frankreich aufzu-nehmcn, obwohl er schon hatte einsehen müssen, daß diesesfür ihn nicht das thun würde was er wünschte und daß ersich in Ludwig XIV. sehr täusche').
Während so mancher ungünstigen Ereignisse, die wohlden Muth auch eines kräftigen Mannes hätten Niederschlagenkönnen, war es für ihn wenigstens beruhigend, mit dem Todedes bisherigen Verwesers endlich nach zwei und dreißig Jah-ren zum wirklichen Besitze des ihm durch den westfälischenFrieden zugesicherten Herzogthums Magdeburg zu gelangen.Cr hatte kaum von der gefährlichen Krankheit desselben Nach-richt erhalten, als er auch schon dem Commandanten von Magde-burg befahl, sobald der Tod des Herzogs erfolgt sein würde,von Halle und dessen Residenz , der Moritzburg, so wie von1680 allen Orten, in welchen herzogliche Besatzungen lägen, Besitz
1) kokend ork XVIII. Z. S7.
2) kukendork XVIII. Z. 10S ff. u. IM. vomoat 'k. VII.k. II. p. 85.
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