316
Buch lV. Fünftes Hauptstück.
und verdientesten Vaterlandsfrcunde, die das daran reiche Hol-land je besaß, wurden, nachdem Cornelius die Pein der Fol-ter mit römischer Standhaftigkeit ertragen, von dem wüthen-den, durch die manische Partei angcreizten Pöbel gemishan-delt, ermordet, in Stücken zerrissen und ihre Glieder öffentlichverkauft. Selbst die Greuel der französischen Schreckenszeitbieten kein Beispiel so scheußlicher Rohheit, als die Unthatder Holländer gegen die edlen Brüder Johann und Corneliusvon Witt'). Die vornehmste Gewalt war nun in den Hän-den Wilhelms von Oranicn, der darauf dachte den Krieg eif-rig fortzusetzen. Als der Kurfürst aufbrach, verließ TurenneHolland, zog drohend 30,000 Mann zwischen Wesel und Em-merich auf dem rechten Rheinufer zusammen und erklärte dannöffentlich, der König wolle nichts berühren, was das Reichangehe; Durchmärsche hätten sich freilich nicht vermeiden las-sen, weil aber nun Truppen gegen ihn anrücktcn, so habe erden Rhein überschreiten müssen, um seine Verbündeten zu un-terstützen, werde sich jedoch sofort zurückziehen, wenn der Kur-fürst erkläre, die Grenzen seines Landes nicht überschreiten undsich nicht in einen Krieg mischen zu wollen, der ihn und dasReich nichts angche. Daß er Cleve räumen wolle, sagte ernickt, obwohl auch das zum Reiche gehörte ^). Noch alsFriedrich Wilhelm bereits auf dem Marsche war, suchten ihndie Franzosen durch Vorstellungen und Versprechungen, derKönig werde die Ruhe des Reichs nicht stören, vom Kriege
l
l
1
1) Wagenaur l'. VI. p. IZ8 st. Selbst Xumpen 1. II. jp. 245 ff. muß gestehen, daß Wilhelms größcste Lhatcn den Flecken inseinem Benehmen gegen die Witts, deren Mörder er ein Jahrgeld ver- ^lieh, nicht verdecken können. Der sittliche Charakter Wilhelms war jüberhaupt so wenig fleckenlos wie sein politischer.
2) kukelltloik XI. §. 53. Am l2. Sept. schrieb Ludwig XIV. !an Turenne, seine Nachrichten aus Wien und Berlin ließen ibm keineHoffnung, den Kurfürsten vom Marsche gegen den Rhein abzuhalten.Turenne solle abwarten, bis Friedrich Wilhelm oder die Kaiserlichen dieFeindseligkeiten gegen Frankreichs Verbündete eröffneten, damit man den ^Franzosen nicht vorwürfe, Ursache derselben zu sein, die Feinde dann ,aber am Übergänge über den Rhein hindern. Oeuvres äs Oouis XIV.
III. p. 253. Am 13. Oct. befahl der König, Turenne solle den Kur-fürsten angrcifen, sobald er könne. A. a. O. p. 254.