Karl X. Gustav und Friedrich Wilhelm. 101
die preussischen Hafen gegen ansehnliche Entschädigung aufKosten Polens zu erhalten, und Schlippenbach äußerte dabei:
Gott spreche jetzt zu den Fürsten nicht mehr durch Prophetenund Traume, sondern, wo eine günstige Gelegenheit sei seinenNachbar anzugreifen und die eigenen Grenzen auszudehncn,müsse man das für einen göttlichen Beruf halten '). FriedrichWilhelm war nicht abgeneigt auf Karl Gustavs Vorschlägecinzugchen, daß er von der polnischen Lchnshcrrschaft befreietwürde; allein mit gewohnter Umsicht suchte er die AbsichtendesKönigs, dann Österreichs, Frankreichs, Englands und Hollandsgenau zu erkunden, dann wog er alle Verhältnisse gegen ein-ander ab, beschloß und handelte.
Die Umstände legten ihm ungemeine Vorsicht im Handelnaus Zwar hatte ihm der König Johann Kasimir gestattet, die 1649Belehnung auf Preußen nicht persönlich, sondern durch einenGesandten zu erhalten, doch kostete ihm das, nach mühsamenVerhandlungen, an Geschenken, welche die polnischen Großensehr zudringlich soderten, 200,000 polnische Gulden, von de-nen allein der König 90,000 bekam, und immer wurde dasals besondere Begünstigung betrachtet. Der ungcmessene Stolzder polnischen Magnaten, ja jedes Edelmanncs, das Vergnü-gen , welches sie gegen den Rath der wenigen Einsichtsvollerenunter ihnen darin fanden, nicht nur den Kurfürsten in Preussenmöglichst zu beschränken, sondern ihn auch, so viel sie vermoch-ten, durch Unterstützung der ihm feindlichen Partei unter denStänden, durch Einmischung in die inneren Angelegenheitendes Landes zu demüthigen ^), musste bei einem Manne von soreizbarem Ehrgefühle natürlich den Wunsch erzeugen, sich einerso drückenden und oft schimpflichen Abhängigkeit zu entziehen.
Wollte er sich indessen gern von Polen freimachen, so warer doch nicht geneigt dafür von Schweden abhängig zu werden.
Das innerlich zerrüttete, von Parteien zerrissene, gegenaussen mit den Moskowitern und Kosackcn beschäftigte Polen
1) Nicht wie im Abdrucke bei t?utenüorf KVi-I. VVilk. V, L. amRande steht, ist das eine Äusserung des Kurfürsten, sondern des Königsdurch Schlippcnbach.
2) kulenäors kriü. VVilk. III. 27.