100
Buch IV. Drittes Hauptstück.
kräftig zuzugreiscn, und Karl Gustav wagte das. Frankreichwar für ihn, damit er Österreich ansicle, welches Beide gleich-mäßig hassten. England und Holland wollten bei aller Eifersucht auf einander doch Schweden nicht zu mächtig werden,es sich nicht zum Herrn der Ostsee aufwcrfen lassen und stdie Vortheile eines blühenden Handels gefährden. Dänemarkversteckte seinen alten Groll unter Bethcucrungcn des Friedens.Karl Gustav wusste, daß auf ihn selbst und auf sein Heer beiallen Unternehmungen das Meiste ankam. Er richtete seinenBlick immer nur auf das Wesen der Dinge, den Schein be-nutzte er zuweilen, verachtete ihn aber'). Er sah sehr wohlein, wer ihn am besten würde unterstützen, mit wem er ver-eint es würde gegen die Übrigen ausnehmen können.
Obwohl seit den Verhandlungen des westphälischcn Frie-dens, dann wegen des dem Kurfürsten abgcdrungenen Grenz-vertrags in Pommern und wegen dessen Einmischung in dieStreitigkeiten zwischen Schweden und der in ihren Freiheitenbedroheten Stadt Bremen unter beiden Staaten eine ziemlicheSpannung eingctrcten war H, suchte sich der König dennoch derMitwirkung Friedrich Wilhelms zu versichern, da ohne dessenTheilnahme ein Angriff der Schweden auf Polen sehr gefähr-1654 lich war'). Er schickte deshalb gleich nach seinem Regierungs-antritte den Grafen Schlippenbach nach Deutschland, haupt-sächlich an den Kurfürsten. Schlippenbach theilte die Grund-sätze und Absichten seines Herrn so unumwunden mit, daß derdaran nicht gewöhnte Kurfürst erstaunte. Der König wünsche
1) kukensork LHä. Willi. V, 4. Die Streitigkeiten über einvon Polen in einem Schreiben an ihn ausgelassenes et cetera und der-gleichen mehr waren ihm nur Borwand. Werden nicht scharfsinnigeLeute sagen, das habe Polen in Krieg mit Karl Gustav und an dmRand des Abgrundes gebracht? Die Leute, welche den kleinen Dingengroße Wirkungen zuschreiben.
2) Daß der Kurfürst dabei im Sinne der Generalstaaten handelte,welche die Freiheit Bremens nicht wollten unterdrücken lassen, zeigt einSchreiben des holländischen Gesandten Boreel in Paris v. 13. Rov. 1651an Johann v. Witt, in den I-ettren et negociations entre lean äsWirt et les pläalpotsntiairea des krovincen Linien etc. Amsterdam 1725.1. 1. x. 270.
3) kuksndork lirid. Wild. V. 1 ff.