Karl X. Gustav, König von Schweden. 99
sei! Karl Gustav selbst war nicht der Mann, um sich von Jo-hann Kasimir seine Krone streitig machen zu lassen. Man mußsagen, daß er ein ganzer Kriegshcld war; das Lager ist seineResidenz, das Heer seine Familie; kühn in seinen weit aussc-hcndcn Unternehmungen, unermüdlich in ihrer Ausführung,bis zur Verwegenheit tapfer in den Schlachten, geht er gerade-zu, ja ungestüm wie der Kanoncnball auf sein Ziel los, brichtüberall durch; vom Siege nicht beruhigt, durch Verluste nichtgeschreckt, erschütterte er mit seinen Schweden sechs Jahre hin-durch den Norden und sank, als ihn die Übermacht von halbEuropa zu erdrücken im Begriffe war, das Schwert noch festin der sterbenden Hand, kämpfend in das Grab ').
Die kriegslustigen Schweden, die Söhne der Helden des dreis-sigjahrigcn Kriegs, hatten nicht vergessen, daß ihre Väter Ruhmund Beute erworben. Durch die Verschwendung Christinenswar der Schatz des Reichs erschöpft; was konnte Karl Gustavwillkommener sein, als daß sich ihm Polen darbot mit einemschwachen Fürsten, in der Hand seiner eben so klugen als männ-licher Entschlüsse fähigen Gemahlin"), ein Land innerlich zer-rissen von Parteien, welche insgcsammt, mit den Häuptern, diean der Spitze standen, ebenso wie der König und der Hof nurihren Vortheil suchten, an das Wohl des Vaterlandes nichtdachten, wo keiner gehorchen, jeder nach seinem Kopfe handelnwollte, eine willkommene Beute für den, welcher cs wagte
1) Das Hauptwerk über den Krieger ist: 8am. 6s ?nken6orkäe redus s lüsrolo Kustavo reg« 8>iecise gestis eommentariorum librizegtem. Bergt. Rühs Gesch. Schwedens unter Karl X. Gustav u. s. w.,welches auch der allgemeinen Welthistorie 66ster Theil ist. Man mußobiges Werk Pufendorfs mit dem 6s redus xestis Idri6erici IVildsImlvergleichen, da er in jenem doch noch freimüthiger über den großen Kur-fürsten in dessen Verhältnisse zu Karl Gustav spricht, obwohl er auch indem letztem Werke aus dem geheimen Archive mehr mittheilt, als nachihm irgend ein Reichshistoriograph gewagt haben würde. Bergt, nochWmoires 6u sdevalier 6s lerlon. karis 1682.
2) li.»6 o. >vslii bist, kolon. ad excsssu VV!s6üsIai IV. usgns »6xacem olivensem. s6. Nirler, Varsav. 1759 sol. p. 72., das Haupt-werk für die Geschichte Polens während dieser Zeit. Im I. 1654 streif-ten die Tataren durch Wolhynien und PodoUen und führten 30,000 Ade-lige und andere Bewohner in die Sclavcrei. kudawski p. 140.
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