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Buch IV. Zweites Hauptstück.
oder dagegen handele, solle als ein verdorbenes Glied angese-hen werden '). Noch lange regte sich hier ein gewisses Gefühlvon Selbständigkeit unter den Standen, was durch die eigen-thümliche Lage und Verhältnisse des Landes, dessen Festungenauch noch viele Jahre hindurch in holländischen Händen blie-ben, sehr unterstützt wurde H. Noch entschiedener behaupteten sichunter Polens Schutze die preussischen Stände, bis auch sie, ^wie wir sehen werden, das allgemeine Schicksal theilten.
Wenn es nun auf der einen Seite unerfreulich erscheint, ^wie der Kurfürst nach und nach, und zwar sobald als mög-lich, alle eigentliche Staatsgewalt als fürstliches Recht an sichnimmt, und durch Unterdrückung der noch vorhandenen Frei-heiten seiner Unterthanen fast völlig unbeschränkter Landesherrwird, wenn wir ferner lebhaftes Mitleid mit dem nunmehrganz schutzlosen, der Willkür eines Einzelnen preisgegcbenenVolke fühlen, welches auf das stärkste angestrengt wird, umdas immer zahlreichere Heer und den immer glänzenderen Hof- ^staat des Fürsten zu erhalten, so dürfen wir doch eben nichtübersehen, daß jene Überreste alter Freiheiten und Rechte in >den Körperschaften der Stände jetzt so morsch und ohne inni- ^gen Zusammenhang mit dem Volks- und Staatslcben so ver-einzelt dastanden, daß sich aus ihnen selbst kaum etwas Allge-meines, Frisches, den gebieterischen Foderungen der Zeit Ent-sprechendes herauscntwickeln konnte. Deshalb wurden sie auch
1) Der Einigungsvertrag aller Stände v. 15. Febr. 1645. bei vu-inonl 1. VI. ?. 1. p. Z06.
2) Daß sich die Clever auf Holland stützten, ergibt sich daraus, daßsic die Festungen lieber in den Händen der Holländer als des Kurfürstensahen, kussnä. III. 23. Sie widersetzten sich der Aushebung vonTruppen und der Erhebung von Steuern, worin sie anfänglich von denGcneralstaatcn unterstützt wurden, bis diese mit dem Kurfürsten ein Bünd-niß 27. Juli 1655 schlossen, kukenäorl V. 21. Doch sagt derselbe,
VI. 50. v. I. 1656: tllivenses krsnum nivrclsee! und der geheime ,Rath Jena schreibt 1657: die Halberstädter wären dem Kurfürsten ge-horsam, wie Kinder ihrem Water, allein in Cleve gelten die kurfürstl. Be-fehle nichts, und von vielen werde nicht mehr gesprochen, als wenn sieUnterthanen wären. Daher auch wohl noch Friedrich Wilhelms I. heftigerWiderwille bei Förster, I. Urkundend. S. 56: Ist es ein dummer Leusel,sollen sie ihn zum clcveschen Rcgierungsrath machen, dazu ist er gut genug! !