40
Buch IV. Erstes Hauptstück.
die Hand zu bieten, und ist daher, weil eine solche Handlungs-weise nicht lange geheim bleiben konnte, bald der Gegenstand ,des Argwohns aller Machte, auch seiner Verbündeten, wie erdiese denn auch selbst immer voller Argwohn betrachtet. So !erscheint er schwankend und zweideutig in seinem politischenLeben, und es konnte nicht anders sein. Da er unablässig seinZiel, die Erhöhung seines Ansehns zu dem einer möglichst selb-ständigen Macht, verfolgte, die Schwäche seines Staats ihmaber lange nicht gestattete selbständig unter den kriegführendenMächten aufzutreten, in deren Kreise er durch die Lage seinerLänder gezogen wurde, oder gewaltsam hindurchzuschreiten, sosah er sich gezwungen die verschiedenartigsten, ja einanderscheinbar geradezu entgegengesetzten Wege der Reihe nach cin-zuschlagen, und er erschien daher schwankend, während ihm seinZiel unvcrrückt vor Augen stand, zu dem ihn selbst die schein-bar entgegengesetzten Richtungen, wenn auch auf nothwendigenUmwegen, führten, denn wo er gerade durchgehen konnte, dathat er cs auch. Es waren die Schlangcnwindungcn damali-ger Staatsklugheit, welche ihn scheinbar in einem Kreisläufeöfters auf die alte Stelle zurück, wirklich aber bei dieser vorbeiunvermerkt weiter führten.
Will man sich aber nicht ganz mit den Mitteln befreunden,welche er zur Erreichung seiner Absichten wählte, so muß man er-wägen, daß sie eben die damals nicht abzuweiscnden Bedingungenwaren, unter welchen er seine Macht gründen konnte. Endlich darfman nicht übersehen, daß sich damals eben jene Cabinetspolitikausbildete, welche während der nächsten anderthalb Jahrhundertebei der immer höher steigenden eigenen Macht der Fürsten inihren Ländern einen fast vollendeten Egoismus zur Grundlagehatte, der alle Fürsten mit unablässigem Mistraucn gegen ein-ander erfüllte, woher es denn kam, daß Jeder jedes Mittelzur Erreichung seiner Zwecke erlaubt und den Andern zu be- '
trügen weit eher für löblich als für tadelnswcrth hielt, solange man nur den Schein möglichst retten konnte. Darnachwurde auch die Geschicklichkeit der Unterhändler und Staats-männer gemessen. Es waren Zeiten ohne Treue und Ehrlich-keit, und derjenige würde zu Grunde gegangen sein, der durchdiese hätte eine Macht gründen und sich Ansehn verschaffen wollen,