D e r K r i e g. 35
Schwede durch Mahren nach Böhmen zurückgi'ng und denOberbefehl an Gustav Wrangel gab, wahrend Königsmark Decemb.Schlesien unterwarf. 1645
Wenn nun dieser mehrfache schnelle Wechsel des Kriegs-glücks auch nicht gerade vorauszusehen war, so konnte demaufmerksamen Beobachter doch wenigstens nicht entgehen, wieschwach und wie stark jede der Hauptparteien mit ihren Ver-bündeten und im Verhältnisse zu diesen wäre. Man muffteendlich einsehen, daß keiner von Beiden den Andern für dieDauer würde völlig Niederschlagen können, da jede gewonneneHauptschlacht auch wieder die natürliche Eifersucht der Ver-bündeten des Siegers weckte und Hemmungen in Benutzungdes Erfolgs mit sich führte. Dies begriff Friedrich Wilhelm.
Er war, zwischen zwei größeren mit einander kampfendenMächten zusammengcdrängt, zu bedeutend, um übersehen zuwerden, zu ohnmächtig, um einer den Ausschlag geben zu kön-nen, was er selbst auch sicher nicht wünschte, denn die ent-schiedene Übermacht des Kaisers wie der Schweden wäre fürihn ziemlich gleich drückend und für seine Entwürfe störendgewesen. Die Hauptaufgabe für ihn war, Zeit zu gewinnen,unterdessen zwischen beiden Theilen mit den möglichst geringstenOpfern hindurch zu schlüpfen, jeden, so weit es anging, zuschonen um geschont zu werden und für sich immer den Rück-zug offen zu behalten, unterdessen die eigene Macht zu ver-stärken, sich fest zu setzen, dann, wenn der rechte Augenblickkäme, zwischen den geschwächten Kämpfern so bedeutend alsmöglich aufzutreten, und, indem er die Zunge der Wage baldfür den einen bald für den andern schwanken liefst, sür sichselbst so viel als nur irgend möglich zu gewinnen. Es ist imGrunde hier wesentlich dieselbe Art der Staatsklugheit, welcheer später nur kräftiger, daher einflußreicher und entscheidender,im Kampfe zwischen Schweden und Polen behauptete, indemer dann auf sehr ähnliche Weise zwischen diesen Mächten stand,wie jetzt zwischen Schweden und Österreich.
In einer solchen Lage wäre es wohl thöricht gewesen, wenner mit ritterlicher Hingebung hätte entschieden Partei für dieeine oder für die andere Sache nehmen wollen, wobei er immernur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben würde, ja es
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