Juni Friedrich Wilhelm kehrte also nach Berlin zurück. Sein1638 fast vierjähriger Aufenthalt in Holland war für seine gesammteEntwickelung als Fürst und Mensch von höchst wichtigen Fol-gen. Abgesehen davon, daß er sich hier einige, wenn auch sicherkaum bedeutende, eigentlich wissenschaftliche Kenntnisse erworbenhatte, so boten schon das in vielen Rücksichten ungemein merk-würdige Land und seine Bewohner, dann die ausgezeichneten !Staats- und Kriegsmänner, welche den auf der Höhe seiner ^Macht befindlichen Staat damals zum Mittelpuncte der Ver-handlungen und Entscheidungen über europäische Angelegenhei-ten erhoben hatten, dem aufmerksam und scharfsinnig beobach-tenden Prinzen einen Schatz von Belehrungen dar, welche um ^so einflußreicher sein mussten, als die Ergebnisse offen vor 'ihm lagen.
Hier konnte er sehen, was in der Cultur des Grundesund Bodens, im Kanal-, Deich- und Schleusenbau, in Ge-werben und Fabriken, vorzüglich aber im Handel die Betrieb-samkeit eines kleinen Volks vermochte, welches kräftig aus- ^dauernd, unter der Leitung von Staatsmännern und Helden, Ider großen spanischen Macht seit fast achtzig Jahren Wider-stand geleistet hatte und ohne Bergwerke das reichste Volk derErde wurde, während Spanien, im Besitze der SilbergrubenAmerikas, verarmte. Entfernt von den Schmeichlern, von derUnterwürfigkeit und der Rohheit des väterlichen Hofs, in einemfreien Lande, dessen Bewohner ihren Werth sehr fühlten undsich zur Demuth wenig neigten, lernte er hier Menschen derverschiedensten Art, Staatsmänner, Krieger und Gelehrte achtenund ihnen freundlich und achtungsvoll begegnen, so die Herzengewinnen, ohne seiner wahren Würde etwas zu vergeben. Einäusserst lebhaftes Ehrgefühl ließ ihn bald jugendliche Leiden-schaften zügeln und die Herrschaft über sinnliche Begierdenbehaupten. Als in dem damals so prächtigen und üppigenHaag bei einem nächtlichen Gastmahle der Versuch gemacht ,wurde, ihn zu Ausschweifungen mit dem andern Geschlechts, >wozu er natürliche Neigung hatte, zu verführen, so eilte er,jetzt überzeugt von der Wahrheit der Warnungen seines treff-lichen Führers, plötzlich hinweg und verließ den Haag mit denWorten: „ich bin es meinen Altern, meiner Ehre und mei-