Druckschrift 
11 (1824)
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen
 

165

dcn Tod tn den Wellen vor Augen. Doch das Schicksal wolltees anders; unser Ständlein war »och nicht gekommen und wir ent-rannen glücklich dem Untergange. Der Vorfall war demjenigensehr ähnlich/ wodurch im Jahre 1782, säst in derselben Gegend,die Stadt Paris nebst vier andern Schiffen von 74 Kanonen un-terging. Unser Kapitain und sein Gehülfe, welche nun schon seitzwanzig Jahren auf der See leben, versicherten, daß sie noch keinso heftiger Sturm betroffen habe. Stärker sei er gar nicht mög-lich, sagten sie. Das Meer war davon ganz weiß und leuchtend,so weit nur das Auge reichte. Dieses Toben deö Windes dauertedrei Stunden gleich stark und dann noch, mit minderer Gewalt,den ganzen vierten November und einen Theil des folgenden Ta-ges fort.

Am fünfte» gegen Abend wurde eS erträglicher, aber dauertenur kurze Zeit.

Am sechsten wehre den ganzen Tag ein sehr heftiger Wind.Er ve> mehrte sich während der Nackt und trieb uns vor sich her.DaS Meer tobte; es brauste über das Verdeck hin; die Ocsnung,durch welche wir aus unsrer Hütte heraus stiegen, mußte hermetischverschlossen werden. So waren wir nun unten im Schiffe bei demdüstcrn Scheine einer einzigen Lampe eingesperrt. Es schien dieHöhle des Neptun zu seyn, welche bald die Pluloshöhle zu werdendrohte. Wir waren buchstäblich unter dem Wasser, dessen Wellenüber dem Kopfe zusammen schlugen.

Dieser Zustand dauerte Freitags den siebenten fort. Seekrank,wie ich war, hatte ich mich schon lange nicht von meiner Hänge-matte weggerübrc. Nachmittags um vier Uhr benutzte ich abereinen bessern Moment und versuchte mich nach dem Ausgange un-sers häßlichen Aufenthalts Hinzuschleppen und mich dort ein wenigumzuschrn. Wahrhaftig das Schauspiel war groß, erhaben, impo-nirend, schrecklich; auf dem weiten, von einem glühend rochen, er-zürnten Himmel verdunkelten Ldcean thürmten sich unzählige, laut-brüllende, von tiefen Thälern und Abgründen durchschnittene Ge-birge empor und bildeten so eine majestätische, das Gemüch mirheiligem Grausen erfüllende Scene. Mit wundervoller Schnelligkeitglitt unsre kleine Barke zwischen zwei solchen beweglichen Bergenhin, deren Ränder sich oft über unserm Verdecke mit einander ver-mischten und die in jedem Augenblicke sich zu unserm Untergangezu vereinen drohten, indessen lange schlangenförmige Wellen, gleichden Ungeheuern der Fabelzeit, hinter uns Herzogen, in dem Eifer