Druckschrift 
11 (1824)
Entstehung
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164
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gleich durchschnitten. Wir kamen sehr glücklich durch die nördlicheNähe der Linie, wo cs sonst nie an Windstillen oder Stürmen fehlt.Dort vereint sich die Gluth des' Acquators mit der Gluth desafrikanischen Sandes, um die Natur zu quälen und zu peinigen,welche dann entweder ihre Müdigkeit durch lang anhaltende Wind-stille äußert, oder unter Regcnströmen und fürchterlichen Donnererwacht.

Fünf und zwanzig Tage später passirten wir den zweiten Wen.dekreiS und erreichten die Grenzen der veränderlichen Winde. Wirhatten bas Kap im Winter verlassen und fanden, nachdem wir dieheiße Zone der Wendekreise zurückgelegc harten, den Winccr an denPforten Europas wieder. Ungewittcr standen an den beiden End«punkten unsers Weges bei der Hinreise waren wir ihnen glück-lieh entkommen, nun gingen wir aber denen der Rückkehr noch ent-gegen. Wir fanden sie an ihren Posten und zwar mit aller ihrerHeftigkeit.

Als wir nach ohngcfähr zwanzig Tagen die Azoren im Ange-sichte hatten, traten vcrändrrliche, jedoch unbedeutende und unsichereWinde ein. Unsere Reise hatte bereits den Charakter der äußerstenLangsamkeit angenommen. Man hat dieselbe wohl schon, vom Kapbis nach England in dreißig Tagen zurückgclcgt; gewöhnlich brauchtman aber fünfzig. Wir aber hielten nun schon achtzig Tage dieSee und kamen nun erst in die größer» Schwierigkeiten. Sobaldwir die Azoren erblickten, gingen unsere Trübsale an; es begannunsre Marter wo che, wie wir sie nannren.

Am ersten November traf uns der erste, allerdings noch sehrgemäßigte Windstoß, das war aber nur ein Vorgeschmack; wir soll-ten die Sache nach und nach gewohnt werden.

Am zweiten war gänzliche Windstille. Am dritten kam derzweite Immer noch erträgliche Windstoß, aber in der Nacht, dieüberaus finster war, erlitten wir den dritten, der nun ein wahrer-Orkan war. Der Wind sprang mit schrecklichem Sausen von hin-ten nach vorn. Er pfiff dabei fürchterlich, nahni die wenigen Segel,welche wir halten, von der entgegengesetzten Seite und im Augenblicke wardie eine Seite des Schiffes mit reißender Schnelligkeit im Wasser; dasMeer erreichte fast den Fuß der Masten. Eine große Menge von denTonnen der Schiffsladung stürzten jetzt vor und vermehrten durchihre Schwere die ohnehin schon so bedeutende schiefe Richtung desSchiffes. Glücklicher Weise zerriß der Wind die ihm gänzlich über-lassenen Segel, sonst mußten wir finken. Jedermann sah schon