seine Schuldigkeit gechan habe; ich aber stehe ganz ruhig dabei undkann mich kaum des LachenS erwehren über die verdrießliche Ge-schichte, wobei keiner den andern begreifen, die nur ich erklärenkonnte. Bei alle dem wurde jedoch der Friede auf Kosten desGefangenen geschlossen, man brachte mich wieder unter Schloß undRiegel und alle Welt war nun beruhigt.
Der junge Doktor war der einzige, der bis zu mir gelangte;er besuchte mich oft und seine Unterhaltung war mir angenehm.Er sagte mir alle Tage, daß ich an meine Gesundheit denken möch-te, daß er den Sitz meiner Leiden wohl ahne, aber sehr bedaure,dagegen kein Mittel zu haben. Ich versicherte ihm, das wirksamste,was er mir in diesem Augenblicke verschaffen könnte, würde einVorleser seyn, der zugleich im Stande wäre das nachzuschrciben,was ich ihm dikciren möchte. Seit meiner Ankunft schon hatte ichvergebens darum gebeten; der Zustand meiner Augen wurde mirbei jeder Beschäftigung hinderlich und meinem Sohne war sic gänz-lich untersagt. Gleichwohl wurden mir die Tage unerträglich, wennich so müßig meinen furchtbaren Betrachtungen überlassen blieb.
Der Doktor erzählte mir, daß der Gouverneur nächstens dieColonie bereisen und drei Monate abwesend seyn würde. DaS lieSmich denn in die Ewigkeit eines Zustandes blicken, den ich nichtlänger aushalten konnte. Ich entschloß mich daher, noch einen letz-ten Versuch zu machen und zwar — weil ich wenig auf den Er-folg rechnete — nur damit ich mir nichts vorzuwerfen haben wollte;denn die abscheuliche und ganz unziemliche Art, wie man mich be-handelte, verwunderte mich eben nicht, ich war darauf vorbereitetworden. ' Schon auf Sankt Helena hatte man uns oft gesagt, daß
> Lord Somerset unser persönlicher Feind sei und als ich hier ankam,
> wurde mir aus meine Fragen über seinen Charakter und die Auf.
! nähme, welche ich zu erwarten haben dürste, geantwortet: „Wein
Herr Graf, wenn man nicht ein Hund oder ein Pferd ist, so gilt' man nichts bei Ihm." Seitdem habe ich bei der Langweile in mei-
nem Gefängnisse mir gar oft recht traurig vorgesagt: Ja da siehtman wirklich, daß ich kein Hund und kein Pferd bin, es fragt kein?Seele nach mir. Bald wird man aber sehen, wie wenig der Gou-verneur daö verdiente.
Es hatte dieser in seinem ersten Briefe den Wunsch ausge-drückt, mir meinen Aufenthalt so wenig als möglich unangenehmwerden zu lassen. Ich benutzte diese Phrase alS eine natürlicheGelegenheit, um ihm in dem hier folgenden Briefe meine Meinung^ über die Behandlung, welche ich erdulden mußte, recht unverholc»zu sagen.