Druckschrift 
11 (1824)
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

89

Mittwochs dcn 25. dis Sonnabends den 28. Dezember.

Jetzt war uns nun unsre Wohnung in dem Hause des Gou-verncurS — das Schloß genannt — einem weitläusclgen und rechtangenehm gelegenen Gebäude, angewiesen. Eine große Verände-rung war plötzlich mit uns vorgegangcn; zwar wurden wir nochdurch Schildwachen unter Aufsicht gehalten, aber sonst stand unsAlles zu Gebote und cs schien, als ob man sich alle Mühe gäbe,uns recht verschwenderisch zu versorgen. „Lassen Sie sich ja nichtsabgehcn, sagte der Haushofmeister einmal übers andre, die hono-rable indische Compagnie bezahlt Alles." — Aber diese verspäteteSorgfale rührte mich wenig. Nur einö lag mir am Herzen unddies war eine möglichst schnelle Beendigung meiner Sache — dieich aber doch nicht erlangen konnte. Der Gouverneur kam zwaralle Tage zu mir, aber nur um einige artige Worte fallen zu las-sen; von Geschäften schwieg er gänzlich. Es wurde für mich höchstdringend, zum Ziele zu kommen. Seit meiner Fortschaffung vonLongwovd hatten die unaufhörlich wiederkchrenden Schwierigkeitenund Ränke, wovon ich mich umgeben sah, und mein stetes Mühenihnen zu entgehen, eine unaufhörliche Abmattung für mich erzeugeund zu dieser Geistesmatter gesellte sich nun noch der Kummer,von dem mein Herz erfüllt war. Dies Alles zusammen brachtein meinem Innern eine Art von Revolution hervor. Ich fühltemich plötzlich um zehen Jahre älter und von dieser Zeit an ent-standen und zeigten sich die ersten Symptome der Schwäche, welchemich seitdem nicht wieder verlassen hat, die täglich zunimmc undnur mit meinem Leben enden wird.

Ich kam sonach in dem Zustande einer wahren Krise in dieStadt. Der Gouverneur erstaunte über meine Veränderung unddie außerordentliche Schwachheit, die er an mir bemerkte. Kaumkonnte ich ein Gespräch fortsetzcn. Ohne Zweifel, um mir wiederetwas Mutb zu schenken, lies er mich wissen, daß der Kaiser sehr leb-haft dcn Wunsch zu erkennen gegeben habe, mich vor meiner Ab-reife noch einmal zu sehen. Diese Erinnerung an mich war mirhöchst rührend, meine Thräncn flössen und gleichwohl war ich sowenig im Stande, eine GcmüthSbcwegung zu ertragen, daß ich bei-nahe in Ohnmacht gefallen wäre. Mein Sohn sagte mir später-hin, daß der Gouverneur sehr betroffen darüber geschienen hätte.Dcmohnerachlct sammelte ich alle meine Kräfte, um den Gouver-neur nochmals zu bitten, mich sobald als nur möglich sortschaffcnzu lassen. Jetzt bestimmte er, daß meine Abreise in zwei Tagenstatt haben sollte. Er sagte mir dabei, daß er sich ein Kriegsschiff