Druckschrift 
11 (1824)
Entstehung
Seite
69
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liebevollsten Zärtlichkeit, welche sie enthalten, von der ganzen langenReihe von Agenten, welche uns bewachen, gelesen worden sind, warchm sehr empfindlich. Lieber will er Ihre Briefe missen, wenn ersic um diesen Preist erkaufen soll. Er wollte seinerseits durch denPrinz-Regenten Nachrichten an die Familie gelangen lassen. Manhat ihm aber hier gesagt, man wurde seinen Brief, wenn er nichtunversiegelt wäre, entweder gar nicht fortschichen, oder ihn erbrechen.Er ist davon abgegangcn und wir lächelten bei der Betrachtung,wie gering diese Beleidigung doch noch im Vergleiche mit derjenigenist, welche man dem Prinz-Regenten damit zudachke.

„Ich habe, gnädigster Herr! viel von den Leiden gesprochen,die wir in der Umgebung des Kaisers zu erdulden haben. Aberw>r vergessen sie ganz bei dem Glucke, ihm unsre Ergebenheit be-zeigen zu können. Wir leiden nur in seine Seele. Unsre Entbeh-rungen , unsre persönlichen Dualen gleichen dem Verdienste und denFreuden der Märtyrer. Wir werden in den Herzen der Edlen ewigleben. Tausende beneiden unser Loos, auf welches wir stolz sindund das uns so höchst glücklich macht! —

„Genehmigen Sie die Versicherung u. s. w.

Unterzeichnet: Der Graf von Las Cafes.

Montags am 16 . Dezember.

Drei Wochen waren nun schon verflossen und noch sahen wirkeine Veränderung in unsrer schrecklichen Lage. Die Krankheit mei-nes Sohnes machte mich noch immer lm höchsten Grade besorgtum ihn und meine eigne Gesundheit verschlimmerte sich offenbarbei alle diesem Kummer und der Angst, die ich auostchcn mußte.Wir waren in so strenger Halt, daß wir noch nickt ein Wort vonLongwood gehört hatten. Ich wußte durchaus nicht, was man dortvon meiner unglücklichen Geschichte dachte, blos das war mir zuObren gekommen, daß der Kaiser wahrend der ganzen vierzehn bisachtzehn Tage sein Zimmer nicht verlassen und fast immer allein ge-speist hatte. Was mußte ich nicht unter diesen Umständen leiden!Offenbar war die Sache dem Kaiser sehr empfindlich gewesen, aberaus welchen Ursachen eigentlich? — Dieser Zweifel wurde mir,ich muß es bekennen, zu einer wahren Pein, die mich von demAugenblicke an, wo ich Longwood verlassen hatte, ohne Unterlaßmarterte. Der Kaiser wußte durchaus nickt, warum ick sortgeschafftworden war — das wollte das Unglück nun so. Was mußte ernun denken, wenn er von meinen heimlichen Briefen sprechen hörte.Was >ür eine Ansicht mußte er nun wohl von der ganzen Sachehaben- wie konnte er sich nun meine Zurückhaltung gegen ihn er-