klären, da ich doch sonst gewohnt war, keine» Schritt zu thun, keinWort zu sprechen, ohne ihm davon zu sagen. Ich stellte meinUnrecht mit dem Gedanken an seine rührende Güce in den letztenAugenblicken zusammen und es erschien mir dann um so größer.Noch wenige Minuten zuvor, ehe ich von seiner Seite gerissenwurde, war er so freundlich gegen mich, schien sich herzlicher nochalS gewöhnlich mir zuzuneigen und nun mußte auf einmal etwasgeschehen, wobei ihm mein Verhalten gewiß ganz unerklärlich war.Sollte nicht vielleicht der Gedanke eines Unrechts, nicht irgend einZweifel an mir sich in seiner Seele erhoben haben? Diese Ideebetrübte mich mehr, als ich es jemals sagen kann, und wirkte sicht-bar auf meine Gesundheit. Glücklicher Weise gab mir der Gou-verneur selbst das Leben wieder. Er fand sich heute gegen Abendbei mir ein, schien sehr den Kopf von dem voll zu haben, was ermir zu sagen hatte, und nach einer langen Vorrede, a»S der ichgar nichts entnehmen konnte, kam eS denn endlich heraus, daß ereinen Brief an mich habe, den er eigentlich bei den Verhältnissen,n welchen ich mich befände, mir vorenthaltcn könnte, daß er aberdoch, weil er wisse, wie lieb mir die Hand sei, welche diesen Briefgeschrieben habe und welchen Werth ich auf die Empfindungen le-gen müßte, die darinnen ausgedrückt wären, aller persönlichen Gründeungeachtet, die ihn davon abhalten sollten, mir diesen Brief zeigenwolle. Es war ein Brief von dem Kaiser. Meine Thränen stof-fen — ach er war so höchst rührend! — und hätte ich den Tod !zu taufendmalen für ihn gelitten — ich war jetzt dafür belohnt! !
Was auch Sir Hudson Lowe uns zu Leide gethan hat und ^was ihn auch zu der Micthcilung dieses Briefs eigentlich bewogen Ihaben möchte — so bin ich ihm doch für diese Glückseligkeit, die !er mir verschaffte, die größte Erkenntlichkeit schuldig, und wenn ichhieran denke, bin ich in der That versucht, mir über manche Din-ge, über manches, was ich ihm nachgesagt habe, Vorwürfe zu ma-chen; allein ich war eS der Wahrheit — war es höhern Rücksichtenschuldig. Ich wurde so bewegt, daß es ihn selbst zu rühren schien,und als ich ihn bat, daß er mir erlauben möchte, von dem, wasmich in dem Briefe nur ganz persönlich anginge, Abschrift zu neh-men, willigte er wirklich rin. Mein Sohn schrieb nun in größterEile ab — wir waren in unbeschreiblicher Angst, er möchte siebnoch anders besinnen — und als er dann fort war, schrieben wir !das Copirte immer wieder und bald die, bald jene Stelle ab; wirlernten es sogar auswendig, so sehr waren wir in Furcht, SirHuofon Lowe möchte am Ende in der Nackt die gegebene Erlaub- iniß bereut haben. In der That bezeigte er mir am folgenden !
Tage sein Bedauern über diesen Punkt und ich säumte nicht einen