Druckschrift 
2 (1828)
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen
 

139

Wohlwollens zu ihm Willen, die arme Frau setzt hei-mathlos, unstät und flüchtig, ungewiß ihrer Zukunftsev und Kummer und Noch nur aus dem erndte,von dem sie Ruhe und Heiterkeit für ihre letzten Le-bensjahre hoffte? Welche Nachte, du armer Renzo!Diese sollte schon die fünfte deines Ehestandes seyn!Welche Kammer! Welches Ehebette! Und nach wel-chem Gestern! Und von welchem Morgen! Und nachihm, welche kommenden Tage!— „Wie Gott will!"antwortete Renzo auf die am meisten beangstendenGedanken. „Wie Gott will!" Er weiß,was erthut, er ist auch für uns da. Ich will Alles erdul-den für meine Sünden. Luzia ist so gut! Unser lieberHerr Gott wird sie nicht so lange, lange, langeleiden lassen!" —

Unter diesen Gedanken, an der Wohlthat desSchlafes verzweifelnd, vom Nachtfröste so ausstehend,daß er oft unwillkührlich erbebte und mit den Zähnenklapperte, sehnte er sich nach dem Anbruche des Ta-ges und maß mit Ungeduld den tragen Lauf derStunden. Ich sage, er maß ihn, denn, bei der ringsherrschenden Todlenstille, hörte er-jede halbe Stundevon der Glocke eines Thurmes anschlagen, wahr-scheinlicherweise die von Trezzo.

Das erstemal, als dieser Klang so unerwartet,ohne daß er nur einen Gedanken hatte, woher, insein Ohr traf, klang er geheimnißreich, feierlich in