Druckschrift 
6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
281
Einzelbild herunterladen
 

Sieh," fuhr Abunadar fort,so ist der Leuchter zubrauchen! Aber glaube nicht, daß ich ihn dcßhalb aus-gesucht habe. Ich wünschte blos seinen Besitz, weil eSmir Vergnügen macht, dergleichen Seltenheiten zu sam-meln. Uebrigens ist er für mich ohne Nutzen; denn Erb-schaften, Sparsamkeit und verschiedene Glücksfälle habenmeine Schatzkammer so reichlich gefüllt, daß sie keinerVermehrung bedarf. Ueberzeuge dich selbst davon; hiersind die Schlüssel."

Abdalla fand drei große Marin orgcwölbc, die unermeß-liche Reichthümer enthielten.O, ich sinnloser Thor!"rief er aus:Hier steh' ich arm, wie ein Bettler, undbewundere fremde Schätze. Könnt' ich nicht eben so glück-lich sepn, wenn ich den Leuchter behalten hätte?"

Seine bewölkte Stirn, mit der er die Schlüssel zurück-gab, war die Verräthcrin dieser Gedanken; aber seinWohlthätcr schien nicht darauf zu achten. Er bewirthcteihn sieben Tage lang mit der freundlichsten Art und sagtedann:Deine Mutter ist vielleicht über deine lange Ab-wesenheit besorgt. Kehre morgen in ihre Arme zurück;aber verlaß mich nicht ohne den festen Entschluß, deinHerz zu veredeln. Neid und Undank schänden dein Gc-müth. Reiß dich von diesen Lastern los! Um dir dicßzu erleichtern, schenk' ich dir mein Lcibroß und zwei Ka-meele, die du mit Kostbarkeiten aus meiner Schatzkammernach deiner eignen Willkür beladen magst."

Abdalla war ans einen Augenblick zufrieden und be-dankte sich freundlich. Als er aber, um die Ladung derKameele zu bereiten, in die Schatzgewölbc trat und denLeuchter darin erblickte, war er mit Einem Male wiederder Alte.Da steht er," sprach er bei sich selbst,derwunderthätige Schöpfer des höchsten denkbaren Erden-