Die Harfnerin zu Drachenstcin
Ein deutscher Graf, dessen Ahnherren sich schon in denZeiten der Kreuzzüge durch Tapferkeit und andere ritter-liche Tugenden berühmt machte», besaß fürstliche Einkünftevon Städten, Dörfern und Ländereien; aber er hatte mitseiner Gemahlin, die längst im Grabe ruhte, keinen männ-lichen Erben und Stammhalter erzeugt: eine Tochter, Na-mens Mathilde, das einzige Licbcspfand einer zufriedenenEhe, genoß ungcthcilt die Fülle seiner väterlichen Liebe.Er sparte bei ihrer Erziehung weder Muhe noch Aufwand,sie zwar eben nicht zu einem edlen Weibe, aber zu einervollkommenen Weltdame — deren Gemüth übrigens gutoder schlimm sepn mochte — bilden zu lassen.
Die Entwickelung ihrer glücklichen Naturgaben war keinschweres Geschäft für die Kunst. Sie lernte mit seltenerLeichtigkeit verschiedene Sprachen, und ihr Gang und Tanzglich dem Schweben der Grazien. Nicht minder schon,als klug und gelehrig, ward sie bald der Gegenstand all-gemeiner Bewunderung, und das kriechende Geschmeiß, dasin den Häusern der Großen und Neichen nie fehlt, undmehr Unheil stiftet, als Krieg und Pest, — wer kennt esnicht unter dem Namen der Schmeichler? — versäumte