Hütchen in Hildesheim.
Die vormalige Grafschaft Winzenburg im niedersäch-sischen Kreise war seit uralten Zeiten ein Lehen der Bi-schöfe von Hildeshcim; aber die stolzen Grafen, derenhochgcthürmtcs Residenzschloß von dem Gipfel eines hohenWaldberges wie eine kleine Stadt ans die Landstraßeherab sah, weigerten sich oft, die Lehn vor dem geistlichenStuhle zu empfangen. Sie schämten sich, ein Krumm-stabslchcn (wie man die von den Bischöfen verliehenenGuter verächtlich nannte) zu besitzen, und wollten nurunmittelbare Vasallen des Kaisers seyn. Daher entstandenbei jedem Regierungswechsel in Hildesheim und Winzen-burg neue Zwiste, die des Reichs Oberhaupt als Schieds-richter beilegen mußte.
Der letzte Graf von Winzenburg, Hermann, der in derMitte des zwölften Jahrhunderts lebte, hatte von seinenAhnen und Urahnen die alte Grille geerbt, daß er denBischof Bernhard, der zu seiner Zeit in Hildesheim regierte,für seinen Lehnsherrn nicht erkennen wollte. Er war einstolzer, jähzorniger Jüngling, der seinen geistlichen Nach-bar über die Achsel ansah und ihm die schuldige Vasallen-