Druckschrift 
6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
269
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Pfahl den unnützen Vogel. Denn als er sein Gesuch an-brachte, legte sich die Seele der heirathslnstigcn Wittwemit Wohlgefallen in ihr einziges Guckfenster, und Amorsah schelmisch neben ihr heraus. Kurz, die gebetene Ehe-Pfründe ward dem Supplikanten ohne vorgängigcs Exa-men, womit er sich zu nähren verstehe, sofort im Herzenversprochen. Doch erst nach langem Gezier, das einemfünfzehnjährigen Kinde ganz wohl angestandcn hätte, beider alten Lantippe aber höchst lächerlich war, erfolgte dieförmliche Zusage.

So weit war der Handel gediehen, als der entzückteBräutigam zufällig erfuhr, daß sich sein Bruder, mit demer allen Umgang abgebrochen hatte, im blühendsten Wohl-stände befinde und sogar der Eigenthümer eines schönenLandgutes sep. Das schien ihm unglaublich. Er wolltesich mit eigenen Augen von der Wahrheit des Gerüchtesüberzeugen, und zwang- daher, weil sich Wilhelm nicht bli-cken ließ, seinem abgeschmackten Hochmnth einen zuvorkom-menden Besuch ab.

Der gute Wilhelm empfing ihn mit herzlicher Bruder-liebe, erzählte dem neugierigen Forscher seine glücklicheBergfahrt mit allen Umständen, und verschwieg ihm sogar,wie ein treuer Nechnungsführer, keinen Heller der Aus-beute. Jener heuchelte viel theilnchmcude Freude; abersein Herz wollte bersten vor Mißgunst. Es war ihm un-möglich, bei dem Glücklichen auszuhalten. Er fragte nurnoch mit verstellter Gleichgültigkeit nach dem Wege zu Lo-ra's Wohnung, eilte dann fort und zankte mit sich selbst:Was nützt mir meine Gestalt, die alle Weiber bezaubert?Was hilft es, daß ich Gewandtheit und Weltton besitze?Die Söhne der Dummheit kommen ohne diese Vorzügeweiter als ich. Mein Bruder ist ein lebendiges Beispiel.