268
Wie ein Soldat auf seinem Posten, sah
Es immer scharf umher, was weit und breit geschah;
Nur sprach der böse Neid: eS schiele.
Vom Mundwerk noch ein Wort! Es ging wie eine Mühle,Und mahlte flink Tag aus, Tag einDie Ehre jedes Menschen klein.
Dieses geschäftige Klippklapp feierte nie. Jedes neueHaubenband einer Nachbarin, jeder Kuchen, den man überdie Straße trug, war Wasser auf diese Mühle. Sie ar-beitete bei Kaffeevisitcn und im Kreise von Klatschgcvat-terinnen mit allen Gängen, und eben so fleißig im Hause.Das geduldigste Dienstmädchen hielt dieses Getöse nichtlänger als vier Wochen aus.
Aber das Keifen mit dem Gesinde ward Frau Pctronil-len nach und nach ein zu einförmiges Vergnügen. Siekonnte die schönen Tage, da sie sich noch mit ihrem seli-gen Herrn vom Morgen bis zum Abend herumzankte,nimmer vergessen. Deßhalb faßte sie den Vorsatz, sich die-sen Zeitvertreib wieder zu verschaffen. In dieser Absichtließ sie hier und da über die Beschwerden des Wittwen-standcs ein Wörtchen fallen. Ihren Buscnfrcundinnen ver-traute sic sogar, daß sie die Hand eines feinen Mannesnicht ausschlagen würde.
Dieß kam glücklicher Weise dem Herrn Konversations-rath (der sich für den feinsten Mann in Deutschland hielt)zeitig genug zu Ohren, und er meldete sich zu der vakan-ten Krcuzträgcrstelle so eilig, wie die Kandidaten des Pre-digtamts zu einer einträglichen Pfarre. Er war in derThat, wie wir schon aus seinem eigenen Munde vernom-men haben, ein junger stattlicher Mann, dessen Gcsichts-bildung und schlanke Gestalt die schärfste Kritik weiblicherAugen nicht fürchten durste. Dieses bunte Gefieder em-