Druckschrift 
6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
232
Einzelbild herunterladen
 

denn er hat zum Gluck die Gicht im Bett cmporar-bcitete und mit sich selbst spricht. Anfangs verstand ichsein Gemurmel nicht; aber bald schrie er heftig und lant:Komm her, braver Degen! Du hast lange kein Blut ge-trunken. Aber komm, komm! Ich will einen Ehebrecher,den ich im Hanse wittere, dir opfern."

Statthalter. Ha, ha, ha! Die frommen Kausmanns-degen pflegen nicht blutdürstig zu scpn. Wenn doch dergute Mann mit seinem Lerchenspieße ruhig im Bette bliebe!Er hat ja mit Roth und Tod genug zu kämpfen.

Susanne. Ach, das ist wahr!

Hütchen. Ein unglücklicher und kranker Mannhaltet mir das zu Gnaden, Herr Statthalter! ist inder That kein Gegenstand des Lachens; auch seine Racheist es nicht. Die Schnecke kriecht langsam, kommt aberendlich doch an den Ort, wohin sie will.

Statthalter. Hm! ich bin gefaßt. Mein Rang undStand

Hütchen. Pocht nur darauf nicht! Eben deßwegensolltet Ihr Euch so betragen, daß jede Eurer Handlungenandern Menschen zur Richtschnur dienen könnte.

Statthalter. Moral im Munde eines Kammermäd-chens, das sich mit nächtlichen Bestellungen abgibt, kommtmir gerade so vor, wie die berühmte Predigt, die derFuchs in der Fabel den Gänsen hielt. Drum schweig, dnMaulaffe, schweig!

Hütchen. Ich kann nicht schweigen und werde nichtschweigen. Das Wohl dieser Dame liegt mir zu nah amHerzen. Es würde der armen Frau übel ergehen, wennauch allenfalls Herr Hubert so schwach und feigherzig wäre,seinen Degen vor Euch zu senken.

Statthalter. Welcher kecke, naseweise Ton! So hat