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6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
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demselben Moment, da die Nonnen Ursels Hinscheiden be-klagten, freuten sie sich zugleich, von der Ohrenfolter ih-res Gesangs künftig befreit zu scyn. Doch was geschah?

Nach Ursels Todtenfeier warSie von der ganzen KlosterschaarAm zweiten Tage schon vergessen,

Als hätte man sie nie gekannt;

Ihr Name ward in SeelenmessenNur noch gedankenlos genannt;

Doch man gewahrte bald, daß ste in ihrem GrabeNicht Nuh' und Nast wie andre Schläfer habe.

Sie stieg um Mitternacht empor,

Schlich in den öden Klvstergängen,

Und nahm zum Zeitvertreib sich vor,

, Den Leutchen, deren zartes Ohr ^

Einst so beleidigt ward von ihren Chorgesängen,

Das Herz ein wenig einzuengen,

Weil sie frohlockten, daß der Tod,

Der Hasser jedes Lauts, zu schweigen ihr gebot.

Sie schlüpfte durch die Kirchenpforte,

Da noch das Klostervölkchen schlief,

Und harrte schweigend hier an einem dunkeln Orte,

Bis das Geläut des Thurms zur Mvrgenandacht rief.Jetzt hörte sie das Lied der N.onnen lieblich Hallen,

Und säumte nicht, mit gällendem Geschrei,

Dem Horn des Wächters gleich, in ihre MelodeiAus allen Kräften einzufallen.

Im Nu, wie ein GewitterstrahlVom Himmel schießt, verstummte der Choral.

Die Nonnen standen, gleich den Bildern in den Btenden-Der Kirche, starr und tvdrenfahl,

Und Allen fiel das Psalmbuch aus den Händen.

Bei diesem Probeschreck ließ Ursel es bewenden,

Und den Gesang, der noch einmal

Jetzt angefangen ward, ganz ungestört vollenden.