Ursel," sprach er, „habe Geduld und stelle dich heiter undfroh, um die schlauen Klosterkatzen zu täuschen. Nimmein so zufriedenes Wesen an, als ob dir das Leben indiesem Jungfcrnzwinger nun herrlich gefalle. Verrichte,was dir obliegt, munter und fleißig! So wird man sicher,hält nicht mehr für nöthig, dich genau zu beobachten, undunser Vorhaben gelingt. Nächstens komm' ich wieder,und bestimme dir Tag und Stunde der Ausführung." —Nach dieser Abrede schied Hans, und Ursel befolgtepünktlich seinen Rath. Sic hatte sich bisher in Ausübungihrer Klosterpflichten etwas säumig bewiesen, und beson-ders ihre Stimme, deren Unlieblichkcit ihr selbst bekanntwar, Lei den Chorgesängen geschont. Nun that sie dasGegentheil; sie überschrie die ganze Versammlung. Dasie aber von den Regeln der Singeknnst so wenig, alsein Blinder von der Malerei verstand, so brachte sie oftdurch ihre falschen Eulentöne die frommen Nachtigallen soganz aus dem Takt und der Melodie, daß eine babylo-nische Verwirrung entstand, und der Gesang wieder vonvorn angesangen werden mußte. Die losen Nonnen räch-ten sich bald für das Ohrenweh, das Ursel ihnen täglichverursachte. Sie verglichen ihre gällende Stimme mitdem Klange des Nachtwächterhorns und gaben ihr deß-halb den Spottnamen: „Tut-Ursel." —
Indessen war der Ritter mit den Entführnngsanstaltcnunermüdct beschäftigt. Verkleidet umschlich er oft dieMauern des Klosters, um die beste Gelegenheit zu erfor-schen; aber er sorgte nicht für Strickleitern oder Diebs-schlüssel, sondern verließ sich auf den unfehlbaren Dietrichin seinem Geldnetze. Doch als er mit seinem Plane schonziemlich zu Stande gekommen war, erhielt seine Tätig-keit eine andere Richtung.