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6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
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wert; alles befand sich in der alten Ordnung, und sogardie blutigen Abdrücke der scharfen Klauen waren auf derHand des Grafen nicht mehr sichtbar.

Eilend ging er jetzt aus dem Kerker, begab sich in einPrachtzimmer des Schlosses, ließ seinen Sohn, Rosalienund ihre Mutter dahin rufen und fügte, zu allgemeinemErstaunen, die Hände der Liebenden mit kurzen Wortenzusammen.

Ferdinand und Rosalie waren in einer so unbeschreib-lichen Entzückung, wie sie etwa ein geheilter Blinder em-pfinden mag, der zum ersten Male, nach langer Trauerin einer ewigen Nacht, das erfreuliche Licht des Tageswieder erblickt. Des Mädchens Mutter hingegen wußtefast nicht, ob sic diese überraschende Handlung des Gra-fen für Spott oder Ernst halten sollte. Doch sein mat-tes, von allem Feuer verlassenes Auge und der schwache,gepreßte Ton seiner Stimme ließen sie, nach genauererBeobachtung, nicht länger befürchten, daß er jetzt zumScherztreibcn aufgelegt sep. Sie wandte sich daher freund-lich zu ihm und sprach:Ich mag nicht unbescheiden fra-gen, was Sie, mein Herr Graf, zu dieser unerwartetenGüte so plötzlich bewegt; aber um Ihnen die muthmaß-liche Bitterkeit dieses Entschlusses zu versüßen und Siemit uns zufriedener zu machen, will ich Ihnen die Ge-schichte unsers traurigen Schicksals erzählen:

Die ländliche Tracht, nach der Sie uns beurtheiltcnund behandelten, ist eine Maske, deren Wahl uns nurdie Noth aufdrang; denn wir stammen aus einem edlensächsischen Gcschlechte. Mein Gemahl, Ritter Burkhard,war anfangs ein guter Hausvater; aber bald machte seinunruhiger Geist die stillen Mauern unserer Burg ihm zu