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6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
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Der muthlose Ferdinand warf sich seinem Vater zu Fußen,Mutter und Tochter schluchzten und rangen die Hände;aber ungerührt stieß der Tyrann ans dem Fenster in seinJagdhorn, und die reisigen Knechte eilten herbei. Sierissen auf seinen Befehl Nosalicn aus den mütterlichenArmen und schleppten sie ins Thurmgcfängniß.

Mit einem Wafferkrug und schwarzem Brvd beladen,Erschien des Burgthors Cerberus:

»Hier bring' ich Fastenkost, Ihr' Gnaden!

Sie schmecke, wie ein Grafenkuß!"

DaS Mädchen schweigt bei diesem schnöden Gruß.

Der Unschuld Hochgefühl besiegt in ihrem HerzenDer ungerechten Kränkung Schmerzen,

Und Duldung ist ihr ruhiger Entschluß.

Sie sendet nun Gedanken stiller TrauerZu dem geliebten Ferdinand;

Da spaltet plötzlich sich die Mauer,

Und aus dem Niß hervor ragt eine zarte Hand.

Nosalien durchrieselt zwar ein Schauer,

Ihr Herzensmuth hält aber Stand,

Und bald gelingt es ihr, den Schrecken nicht zu achten,Und die Erscheinung zu betrachten.

Die weiße Wunderhand, die Schwanenffügeln glich,Sanft öffnete, sanft schloß sie sich,

Als hätte sie ein bittendes Verlangen.

Jetzt fühlt die Dulderin sich ganz vom ersten, bangenErstaunen frei, und denkt: es sitzt wohl nachbarlichEin Unglückskind, wie du, gefangen,

Das, karg und kümmerlich genährt,

Aus deinen Händen Brod begehrt.

Und schnell brach sie ihr Brvb und legteDas größte Stück in die gespannte Hand,

Die sanft, wie dankend, sich bewegteUnd dann im Augenblick verschwand;