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6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
161
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Vor Ingrimm verstummt, spricht der Graf kein Wort,

AlS dieß: »Zu Pferde! zu Pferde!«

Dann sprengt er mit all seinen Neistgen fort,

Und dampfend erzittert die Erde. '

So ging's im gestreckten Galopp dem Dorfe zu, undkein Schutzgeist der Liebe war so gefällig, dem trauten,sorglosen Pärchen ein Warnungszeichen zu geben.

Der schachmatte Pförtner, der den flüchtigen Rossen zuFuß nicht folgen konnte, mußte hinter einem Knappen auf-sitzen, und zeigte schon von Weitem auf Rosaliens Hütte.Der Graf umstellte sie mit seiner Schaar wie eine Diebs-höhle, und donnerte dann selbst an das Pförtchen.

Die kleine, ruhige Gesellschaft schauderte zusammen. DieMutter wankte hinaus und öffnete die Thür. Der Grafwarf ihr einen verächtlichen Blick zu und polterte, bei ihrvorbcibrummcnd, ins nahe Gemach, wo Ferdinand undRosalie ihm entgegenbebten.

Als er das todtenbleiche Mädchen eine stumme Minutelang mit durchbohrenden Blicken betrachtet hatte, riß erheftig seinen Sohn an's Fenster und sagte mit schnauben-der Stimme:Sprich, Ungerathener! hast du mir nichtgelobt, diese Dirne zu meiden?"

Ferdinand schlug die Augen nieder und wagte kein Ge-genwert.

Du hast deine Zusage gebrochen! Der meinigen binich nun quitt und ledig. Höre mein Urtheil! Das Dirn-chen wandert auf ein halbes Jahr in den Thurmkerker,dann mit der Mutter Kupplerin aus meinem Gebiet, unddu, lockerer Bursch, büßest deinen Ungehorsam so lange,bis dieses Gesindel über meine Gränze gebracht ist, durchGefangenschaft auf deinem Zimmer!"

Die Bestürzung der Verurtheilten war unbeschreiblich.

Langbein'S sämnitl. Schr. X. Bd. 11