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6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
159
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Ferdinand bat um einige Augenblicke ruhiges Gehör undsuchte sich dann, ohne die Beschuldigung selbst zu läugncn,so gut als möglich zu rechtfertigen. Von der mächtigenLiebe mit der Gabe siegender Beredtsamkcit ausgerüstet,entwarf er von Rosalicn eine vortheilhaste Schilderungund behauptete fest und muthig, daß sein gesitteter Um-gang mit einem so edel» Mädchen ihn nicht entehre.Dieguten Leute," fuhr er fort,sind überdicß, nach ihren fei-nen Sitten zu urthcilcn, gewiß nicht von gemeiner Her-kunft. Ihre Lcbensgeschichtc deckt ein gcheimnißvollerSchleier, hinter den ich noch keinen Blick gewagt habe.Stammten sie aber auch aus der niedrigsten Volksklasse,so sind es dennoch Bicderseelcn, die keine Verachtung, undnoch weniger den Kerker verdienen. Ich bitte Sie, Va-ter, zürnen Sic nicht gegen diese schuldlosen Menschen!Versprechen Sie mir, bei Ihrer Ritterchre, sie auf keineWeise zu drücken und zu verfolgen! Ich will dagegen an-gelobcn, das Mädchen von nun an zu meiden."

Dieses rasche Gelübde war freilich nur ein flüchtig er-griffener Schild, um sich und Rosalien vor der Hand ge-gen die väterlichen Zornpfcile zu decken z der Alte nahmes aber für vollen, gediegenen Ernst, und gab deßhalb mitheimlicher Freude, weil er eine so schnelle Bekehrung sei-nes Sohnes nicht erwartet hatte, das verlangte Ehrenwort.Aber er setzte drohend hinzu:ich bin augenblicklich davonentbunden, sobald ich den ersten Bruch deines Gelübdeserfahre!"

So war denn Ferdinand, ohne daß sein Liebesglück ganzSchiffbruch litt, dem Sturme für dieß Mal entronnen undschmeichelte sich mit der Hoffnung, daß er auch in derFolge, durch Klugheit und Behutsamkeit, allen Orkanenund Klippen ausweichen werde.