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6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
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Zügel anlegen? Wer kann ihnen verbieten, die unschuldig-sten Handlungen mit schwarzen Farben in die Lästerchro-nik zu zeichnen? Ein Mädchen, dem seine Ehre lieb ist,muß deßhalb jede» Schritt, der aus der weitesten Fernedurch falsche, lieblose Deutung, einen Schatten darauf wer-fen könnte, sorgsam vermeiden; denn der weibliche Nusist ein kristallener Spiegel, den der leiseste Hauch der Ver-läumdnng trübt. Und aus vollen Backen würde sieblasen, wenn sie den jungen, reichen Grafen von Droßund mein armes Kind selbander in einem einsamen Wäld-chen erblickte."

Diese moralische Abhandlung, die eine Frau in länd-licher Tracht mit der feinsten Artigkeit einer gebildetenDame vortrug, setzte den Grafen in sichtbares Erstaunen.Er fühlte das Gewicht ihrer Gründe, und bekannte mitherzlicher Aufrichtigkeit, daß er ihren Gesinnungen beistimme,und deßhalb ans Rosaliens Gesellschaft im Wäldchen kei-nen weitern Anspruch mache. Aber ich hoffe, fügt' er hin-zu, Sie werden mir die Erlaubniß sparsamer Hausbesuchenicht versagen, da diese doch wohl unter den Augen einerso achtnngswcrthen Mutter keinen Stoff zu Mißdeutungengeben können.

Wackern Leuten darf man seine Thür nicht verschlie-ßen;" war die Antwort der Mutter:aber meine Bedenk-lichkeiten und deren Gründe sind hier, wie dort geltendund anwendbar. Meine Gegenwart bei Ihren Besuchenwürde muthmaßlich in der Sache selbst nichts ändern, alsdaß die Verläumdung auch mit mir ungerecht verführe,und mich zu den Rabenmüttern zählte, die bei den Aus-schweifungen ihrer Tochter aus schnöder Gewinnsucht durchdie Finger sehen. Wollen Sie uns wirklich wohl, HerrGraf, so schonen Sie unfern guten Ruf, in dem wir jetzt