die Thür zu öffnen, so that es Rosaliens Mutter. Sieempfing ihn mit sichtbarer Verlegenheit, doch höflich. Ro-salie zitterte schnell und mit hohem Erröthen von ihremStuhl empor, setzte sich, nach einer flüchtigen Begrüßung,wieder eben so geschwind, wandte dann weiter kein Augevon ihrer Stickerei und machte dennoch einen Fehlstich nachdem andern. Eben so wenig wagte Ferdinand, sie anzu-schcn. Er schwebte gefährlich auf einer Ecke des ihm vonder Mutter dargebotenen Sessels, drehte seinen Hut wieein Rad und stammelte: „Verzeihen Sie, daß ich Sie soüberraschte!"
Die Mutter kannte den Vogel zwar schon an seinenFedern, stellte sich aber unwissend und fragte nach seinemNamen. Er nannte sich. „Sie sind also," fuhr sie fort,„der Sohn des Herrn Grasen, in dessen Gebiete fvir woh-nen. Haben Sic vielleicht einen Auftrag von ihm?"
Dieß verneinend, gestand er treuherzig, daß er blos inder Absicht gekommen sep, sich nach dem Befinden der schö-nen Rosalic zu erkundigen.
Die ehrliche Frau zwang sich zu einem freundlichen Lä-cheln und las ihm den Text, auf den sie Hn wenig stu-diert hatte, folgender Maaßen: „Der Herr Graf habenneulich mit meiner Tochter, bei einem zufälligen Zusam-mentreffen, gesprochen und gewünscht, sie wieder zu sehen;allein ich muß bekennen, daß ich ihr die Spaziergängenach dem Wäldchen, wo sie Ihre Bekanntschaft machte,seitdem ausdrücklich untersagt habe. Sie werden mir die-ses Verbot, in Erwägung der Gründe, die ich Ihnen ohneRückhalt angeben will, nicht verübeln. Meine Tochter istarm; das einzig» Gut, das sie besitzt, ist ihre Tugend.Nun scheinen zwar Sie, Herr Graf, kein sittenloser Mäd-chenverführer; wer kann aber den Gedanken der Menschen