ISO
dieß stünden wir armen Leute zu tief unter Ihnen; dennSie sind vermuthlich von hohem Herkommen.
„Ach, leider ist mein Vater ein Graf — der Graf vonDroß!"
Wie? Sie seufzen darüber, daß Sie der Sohn des rei-chen Grafen find, dem das schöne Bergschloß, unser nied-liches Dörfchen und beinahe das halbe Land gehört?
„Alle diese Herrlichkeiten möcht' ich dahin geben, umnicht reicher zu sepn, als Sie. Dann würden Sie viel-leicht mit der Zeit — wenn Sie tiefer in mein Herz blick-ten — mir ein wenig gewogen; und jetzt — ach! jetztwollen Sie mich fliehen!" —
Rosalie suchte in der That ihre Hand aus der seinigenzu winden. Er widerstand ein Weilchen mit sanfter Ge-walt, und ließ sie dann los; aber sie sollte geloben, amfolgenden Tage wieder ins Nachtigallcnwäldchcn zu kommen.
Darüber muß ich mit meiner Mutter sprechen; warRosalicns Antwort; denn ich erlaube mir hinter ihremNucken keinen Schritt aus dem Hause. —
Mit einem freundlichen Lebewohl eilte sie nun wie ge-flügelt von dannen.
Ferdinand sah ihr nach, bis der letzte Schimmer ihresKleides verschwand. Ihm war so wohl und weh umsHerz, daß er bald einen fröhlichen Sprung that, bald dieAugen still und starr an den Boden heftete. Jetzt däm-merte der Abend; das Horn der Hirten rief die Hcerdenzum Stalle; die silberne Mondsichel glänzte schon hinterden Bergen: alles erinnerte ihn an den Heimweg. Eswar ihm, als ob er aus dem Himmel in die Hölle wan-dern sollte. Er ging langsam, wie der Bauer zum Frohn-dienst, und stieß, in Wonncgedanken vertieft, mit der Stirngegen die Bäume.