-°-D 98 <Z-o-
Um den brieflichen Schneckcngang des Geschäfts zu be-flügeln, that sie Mathilren den Vorschlag, die bevorstehen-den Wintcrlustbarkcitcn der Hauptstadt zu genießen und inihrem Hause zu wohnen. Dieses Erbieten nahm Ma-thilde mit Vergnügen an und bereitete sich zur Abreise.
Am Vorabend des dazu bestimmten Tages ließ sie denarmen Heinrich — gegen den sic immer noch stumm undverschlossen gewesen war und der sich schon nicht mehrungerufcn ins Haus wagte — zu sich cinladcn. Siewollte durch ein offenes Bekenntniß ihrer Unbeständigkeitder Täuschung ein Ende machen, und so friedlich undfreundlich, als es den Umständen nach möglich war, vonihm scheiden.
Sic erschrack vor seinem Anblick. Der Knmmcr hatteseine blühenden Wangen gebleicht und das Feuer seinerAugen mit Thränen gelöscht. Sieh, das ist dem Werk!rief ihr erschüttertes Herz, worin die schlafenden Natternder Reue plötzlich erwachten. Ihre nicht erstorbene, nurunterdrückte Liebe für den Unglücklichen loderte jetzt, wiedas letzte sprühende Flämmchcn eines nicdergebranntcnLichtes, auf einen Augenblick wieder hoch empor; doch ei-lend stürzte die Eitelkeit ihren kalten Dämpfer darüber,und die Flamme des Herzens erstickte. —
Aber auch der gefaßte Muth, das quälende Vcrhältnißdurch eine freimiuhige Beichte zu enden, war unaufhalt-sam verschwunden. Die Treulose vermochte nicht längergegen den Märtprer ihres Unbcstands die Augen aufzn-schlagcn. Sie bedeckte mit beiden Händen ihr Gesicht undfloh in ein andres Zimmer. Nach einigen Minuten ließsie sich, mit vorgeblicher Anwandlung einer Ucbclkcit, ent-schuldigen, daß sic ihn heute nicht sprechen könnte.
Er war mit auflebcnder Hoffnung gekommen und ging