Gräfin hatte nicht Lust, fich damit zu übereilen. Sieempfand für Keinen von Allen einen lebhafte Neigung,und das Spiel mit dem gesammten -Chor ihrer Freier warzu lustig und für ihren Stolz zu unterhaltend, als daßsie es sogleich aufgeben mochte. Sie herrschte jetzt, wieeine Königin, über zwanzig Tröpfe. Sollte sie denn plötz-lich ihr Reich einschränken, künftig nur an Einem Skla-ven ihre Launen üben, und diesen wohl gar hinter demAltäre die Fesseln abschütteln und die Zügel der Hausrc-gierung ergreifen sehen? — Welche Zumuthung! Sie fuhralso fort, bald Diesen, bald Jenen an sich zu ziehen undihn bis auf den Punkt zu locken, daß er des Siegsüber seine Mitwerber gewiß zu sepn glaubte. Aber jetztschien sie schnell in ein Bild von Eis verwandelt, sahfremd und frostig ihn an, weidete sich einen Augenblickan des Getäuschten Bestürzung, und wählte sofort wiedereinen Andern zum Ziel ihrer Launen.
So gcmißhandelt, zogen sich Viele, deren Ehrgefühl da-durch mit Recht beleidiget war, auf immer zurück; Andere,die weniger fein dachten, lauerten von fern auf besseresund beständiges Wetter. Bald war die Rennbahn derFreier verödet; nur noch Einet stand vor den Schranken.Es war Heinrich von Lindhof, ein braver, junger Mannvon Hellem Verstand und edlem Gemüth: in dieser Rück-sicht der Würdigste von Allen, die der Gräfin den Hofmachten.
Aber der mäßige Ertrag eines kleinen Rittcrsitzes, deran das Landgut der Tante gränztc, erlaubte ihm nicht,mit seinen reichen Nebenbuhlern in Aufwand und Prachtgleichen Schritt zu halten. Er ward deshalb von Mathildenübersehen und nicht eher bemerkt, als bis Jene den Tum-melplatz geräumt hatten. Nun fing sie an, auch ihm sich