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6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
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nicht, ihr Herz frühzeitig mit dem Gift der Eitelkeit an-zusteckc». Sie verstand schon in ihrem zwölften Jahre,sich mit dem Spiegel zu unterhalten, sich stundenlang vorihm in dem Geberdenspicl der Gefallsucht zu üben, undjeden Menschen kalt und verächtlich zu behandeln, der ihrnicht den unmäßigen Tribut des Lobes und der Verehrungzollte, den sie von Andern erhielt und fordern zu könnenglaubte.

Der Graf schien wenig geneigt, dem Geist und Herzenseiner Tochter eine bessere Richtung zu geben. Selbst stolzauf seine Geburt, wählt' er immer die Ahnentafel und denRuhm seiner Vorfahren zum Gegenstand des Gesprächs,wenn er sich mit ihr allein befand. Er schärfte besondersfleißig ihr ein, daß sie ja wenn er vor ihrer Vermählungstürbe und sie alsdann sich selbst überlassen sey denGlanz ihres Hauses durch keine Mißhcirath verdunkeln solle.

Mit diesem Schwancngesang starb er, bevor Mathildedas achtzehnte Jahr erreichte. Es hatten schon verschiedenewackere Männer um sie geworben; aber Einer war ihrzu alt, das Geschlecht des Andern dem Vater zu jung,und den Dritten verwarfen Beide, weil er alt war, wo,er jung, und jung war, wo er alt seyn sollte. Sic waralso noch unvermählt und eine arme Waise, die nur eineKleinigkeit von ungefähr fünf Tonnen Goldes erbte.

Nach der Vorschrift des väterlichen letzten Willens be-gab sie sich zu einer alten Tante, deren stille, ländlicheWohnung bald durch das Getümmel der Glücksritter, dieMathildens Schönheit und Rcichthum wie ein BlumenbeetSchwärme von Bienen hcrbeilocktc, auf eine lästige Weisebeunruhiget ward. Die gute Matrone wünschte deshalbmit Sehnsucht, daß ihre Nichte sich ohne langen Verzugfür einen ihrer Verehrer bestimmen mochte; allein die junge