Druckschrift 
3 (1852)
Entstehung
Seite
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Sie kann für alle Welt sprechen gerade wie ihr Papa," sagte sie,indem sic aus dem Zimmer ging.

Eva blickte auf Topsy.

Da standen die beiden Kinder, die Repräsentantinnen der beidenäußersten Grenzen der Gesellschaft. Das schöne, hochgeborne Kindmit dem goldgelockten Kopf, den dunklen Augen, der geistreichen,^ edlen Stirn, den fürstlichen Bewegungen, und ihre schwarze, schlanke,kriechende, doch verschlagene Nachbarin. Da standen sie als Repräicn-tantinnen ihrer Stämme. Die Sachsin, geboren aus Zeitaltern derCivilisation, der Herrschaft, der Erziehung, der physischen und mora-lischen Erhabenheit; die Afrikanerin, geboren aus Zeitaltern derUnterdrückung, Unterwerfung, Unwissenheit, Mühsal und Laster-haftigkeit.

Vielleicht fiel Eva irgend etwas dcrNrt ein. Aber die Gedankeneines Kindes sind mehr unbestimmte und undeutliche Instinkte, undin Eva's edler Natur arbeiteten mehrere solche, für welche sie keinenAusdruck zu finden vermochte. Als Miß Ophelia sich über Topsy's* schlechtes Betragen auslicß, sah das Kind traurig und betrübt aus,aber sic sagte sanft:

„Arme Topsy, weshalb mußtest Du stehlen? Es wird jetztgut für Dich gesorgt werden. Ich würde Dir lieber Alles, was ichhabe, geben, als daß Du es mir stehlen solltest."

Es war das erste freundliche Wort, welches das Kind je inseinem Leben gehört hatte, und der milde Ton und das sanfte Wesentrafen sonderbar das wilde, rauhe Herz, und ein Glanz wie der einerThräne zeigte sich in dem scharfen, runden, funkelnden Auge; dannaber folgte ein kurzes Gelächter und das gewöhnliche Grinsen. Nein,t das Ohr, das nie etwas Anderes gehört hat, als Zankreden, ist sonder-bar ungläubig gegen etwas so Menschliches wie Güte; Topsy hieltEva's Worte nur für etwas Komisches, Unerklärliches — sie glaubtenicht daran.

Aber was sollte mit Topsy geschehen? Miß Ophelia fand denFall sehr bedenklich, denn alle ihre Erziehungsregeln ließen sich dabeinicht anwenden. Sie dachte, sie wollte es sich überlegen, und umZeit zu gewinnen, so wie in der Hoffnung, daß eine große moralischeTugend in finstern Kammern zu finden ist, sperrte Miß Ophelia Topsy