Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
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378
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an seinen Wimpern zwei harte Tropfen hingen. Ich ging gegen ihn,und fragte ihn, was ihm sei. Er antwortete leise: „Ich habe kein Kind."

Brigitta mußte mit ihrem scharfen Gehöre die Worte vernommenhaben; denn sie erschien in diesem Augenblicke unter der Thür des Zim-mers, sah sehr scheu ans meinen Freund, und mit einem Blicke, den ichnicht beschreiben kann, und der sich gleichsam in der zaghaftesten Angstnicht getraute, eine Bitte ausznsprechcn, sagte sic nichts, als das einzigeWort: „Stephan."

Der Major wendete sich vollends herum — beide starrten sich eineSekunde an — nur eine Sekunde — dann aber vorwärts tretend lag ereines Sturzes in ihren Armen, die sich mit maßloser Heftigkeit um ihnschlossen. Ich hörte nichts, als das tiefe leise Schluchzen des Mannes,wobei das Weib ihn immer fester umschlang, und immer fester an sich drückte.

„Nun keine Trennung mehr, Brigitta, für hier und die Ewigkeit."

„Keine, mein thcurcr Freund!"

Ich war in höchster Verlegenheit und wollte stille hinaus gehen;aber sic hob ihr Haupt und sagte: „Bleiben Sie, bleiben Sie."

Das Weib, das ich immer ernst und strenge gesehen hatte, hatte anseinem Halse geweint. Nun hob sic, noch in Thränen schimmernd, dieAugen — und so herrlich ist das Schönste, was der arme, fehlendeMensch hieniedcn vermag, das Verzeihen — daß mir ihre Züge wie inunnachahmlicher Schönheit strahlten und mein Gemüth in tiefer Rüh-rung schwamm.

„Arme, arme Gattin," sagte er beklommen, „fünfzehn Jahre mußteich Dich entbehren und fünfzehn Jahre warst Du geopfert."

Sie aber faltete die Hände, und sagte bittend in sein Antlitz blickend :„Ich habe gefehlt, verzeihe mir, Stephan, die Sünde des Stolzes — ichhabe nicht geahnt, wie gut Du seist — es war ja blos natürlich, cs istein sanftes Gesetz der Schönheit, das uns ziehet."-

Er hielt ihr den Mund zu, und sagte: „Wie kannst Du nur soreden, Brigitta — ja, cs zieht uns das Gesetz der Schönheit, aber ichmußte die ganze Welt durchziehen, bis ich lernte, daß sie im Herzenliegt, und daß ich sie daheim gelassen in einem Herzen, das es einzig gutmit mir gemeint hat, das fest und treu ist, daß ich verloren glaubte, unddas doch durch alle Jahre und Länder mit mir gezogen. — O Brigitta,Mutter meines Kindes ! Du standest Tag und Nacht vor meinen Angen."