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2 (1855)
Entstehung
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Murai versah seine Geschäfte; denn der Vater hatte ihm einen Theil derGüter abgetreten, und diese verwaltete er von der Stadt aus. Diesmachte manche Umwege nöthig, und hauste manche Dinge, die sonst zucntrathen gewesen wären.

Als der Knabe so weit entwickelt war, daß unmittelbare Pflege nichtgar so sehr mehr noth that, als Murai seine Geschäfte schon geordnetund in einen gleichen Gang gebracht hatte, fing er an, seine Gattin häu-figer auf öffentliche Plätze, in Gesellschaften, auf Spaziergänge, in dasSchauspiel zu führen, als er cs sonst zu thun gewohnt war. Hiebei be-merkte sie, daß er sie vor Leuten noch zarter und noch aufmerksamerbehandle, als selber zu Hause.

Sie dachte:Jetzt weiß er, was mir fehlt," und hielt das erstickendeHerz an sich.

Im nächsten Frühlinge nahm er sic und sein Kind ans eine Reisemit, und da sie gegen den Herbst zurück kamen, schlug er vor, lieber fürbeständig auf dem Lande, auf einem seiner Güter zu wohnen ; denn ausdem Lande sei es doch viel schöner und viel annehmlicher, als in derStadt.

Brigitta folgte ihm auf das Landgut.

Hier fiug er an zu wirthschaften und umzuändern, und de» Rest derZeit, der ihm übrig war, zum Jagen zu verwenden. Und hier führte ihmdas Schicksal ein ganz anderes Weib entgegen, als er cs immer zu sehengewohnt war. Auf einer der einsamen Jagden, die er jetzt häufig that,wo er nämlich mit seiner Büchse allein durch die Gegend ging oder ritt,hatte er sie erblickt. Als er einmal sein Pferd langsam durch einen Weide-bruch ein wenig abwärts leitete, hatte er plötzlich durch das dichte Ge-büsch her zwei Augen gegenüber erschrocken und schön, wie die einerfremdländischen Gazelle, und neben den grünen Blättern hatte das süßesteMorgenrot!) der Wangen geglüht. Es war nur ein Augenblick; denn cheer recht hin sehen konnte, hatte das Wesen, das ebenfalls zu Pferde war,und in dem Gebüsche stand, das Pferd gewendet und flog über die Ebenezwischen den leichten Büschen davon.

Es war Gabriele gewesen, die Tochter eines greisen Grafen, der inder Nachbarschaft wohnte, ein wildes Geschöpf, das ihr Vater auf demLande erzog, wo er ihr alle und jede Freiheit ließ, weil er meinte, daß siesich nur so am Naturgemäßesten entfalte, und nicht zu einer Puppe ge-