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indem inneren Haushalte ihres Lebens gewähren, der sich nicht auf-schlicßt, wenn cs nicht freiwillig ist. Ich war nun scharr ziemlich langeauf Urvar, und war gerne da, rveil ich an den Beschäftigungen des Ortesmit Aufmerksamkeit, und öfter auch mit wirklicher Thätigkeit Antheilnahm, und weil ich zu andern Zeiten an dem Tagcbuche meiner Reisenund Erfahrungen weiter schrieb: aber das glaubte ich zu erkennen, daßin dem reinen beschäftigten Leben des Majors irgend ein Bodensatz liege,der es nicht zur völligen Abklärung komme» ließ, und mir war, als seidoch irgend eine Art Trauer da, die sich natürlich bei einem Manne nurdurch Ruhe und Ernst ausdrückt.
Sonst war er in seinem Leben und in seinem Umgänge mit mir sehreinfach, und von einer Zurückhaltung oder Verstellung war nicht im Ge-ringsten die Rede. So stand auf dem Tische seines Schreibzimmers, indas ich sehr oft kam, und an dem wir an heißen Nachmittagen oderAbends bei der Kerze, wenn wir noch nicht schlafen gingen, von verschie-denen Dingen plauderten, ein Bild — es war in schönem Goldrahmendas verkleinerte Bild eines Mädchens von vielleicht zwanzig — zwei undzwanzig Jahren — aber sonderbar war cs, wie auch der Maler die Sacheverschleiert haben mochte, es war nicht das Bild eines schönen, sonderneines häßlichen Mädchens — die dunkle Farbe des Angesichtes und derBau der Stirne waren seltsam, aber es lag etwas, wie Stärke und Kraftdarinnen, und der Blick war wild, wie bei einem entschlossenen Wesen.Daß dieses Mädchen etwa in seinem früheren Leben eine Rolle gespielthabe, wurde mir klar, und mir fiel der Gedanke ein, warum sich denndieser Mensch nicht vermählt habe, so wie mir dieser Gedanke auch schonbei unserer italienischen Bekanntschaft gekommen war; aber nach meinenGrundsätzen hatte ich damals nicht gefragt, und fragte auch jetzt nicht.Er durfte freilich das Bild ruhig auf dem Tische stehen lassen; denn cskam Niemand von seinen Leuten in das Schreibgemach, sondern sie muß-ten im Vorzimmer, wo ein Glvcklein beim Eintritte läutete, stehen blei-ben, wenn ihm einer etwas zu sagen hatte. Auch von seinen Bekanntenund von Besuchenden kam Niemand in das Zimmer, da er sic immer inseiner anderen Wohnung empfing. Es war also schon ein Grad Vertrau-lichkeit, daß ich da hinein durste, und alles besehen konnte, was da standund lag. Diese Vertraulichkeit mochte ich wohl dem Umstande zu ver-danken haben, daß ich nie forschte und grübelte.