Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
342
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noch kaum angekleidct war, klopfte cs an meine Thür, ich öffnete und estrat mein Reisefreund herein. Ich war immer die Tage her begierig ge-wesen, wie er ausschen möge, und er sah nicht anders aus, als er ebenaussehen konnte, nämlich so zu der ganzen Umgebung stimmend, daß csschien, ich hätte ihn immer so gesehen. Auf der Oberlippe hatte er dengebräuchlichen Bart, der die Augen noch funkelnder machte, das Hauptdeckte ein breiter runder Hut und von den Lenden siel das weite weißeBeinkleid hinab. Es war ganz natürlich, daß er so sein mußte, ich konnteplötzlich nicht mehr denken, wie ihm der Frack stehe, seine Tracht schienmir reizend, daß mir mein deutscher Flaus, der bestaubt und herabgc-schundcn auf einer Bank unter dem verschossenen Scidenklcidc eines Tar-taren lag, fast erbärmlich vorkam. Sein Rock war kürzer, als sie ge-wöhnlich in Deutschland sind, stand aber sehr gut zu dem Ganzen. MeinFreund schien zwar gealtert; denn seine Haare mischten sich mit Grau,und sein Antlitz war voll von jenen feinen und kurzen Linien, die beiwohlgebildeten Menschen, die sich lange erhalten, doch endlich die wach-sende Zähl der Jahre auzeigen; aber er erschien mir so angenehm undeinnehmend, wie immer.

Er grüßte mich sehr freundlich, sehr herzlich, ja fast innig undals wir eine halbe Stunde geplaudert hatten, waren wir schon wieder sobekannt, wie zuvor. Es schien, als hätten wir uns seit unserer italieni-schen Reise gar nicht getrennt. Da ich mich ankleidete und dazu bemerkte,daß ein Koffer mit meinen andern Sachen ankommen werde, schlug ervor, ich möchte bis dahin, oder wenn ich wollte, in der Zeit meines gan-zen Hierseins ungarische Kleider anzichcn. Ich ging in die Sache ein unddie nöthigen Bestandstückc waren bald hcrbeigeschafft, wobei er bemerkte,daß er in den nächsten Tagen schon für Abwechslung sorgen werde. Wiewir nun so in den Hof hinunter kamen zu den mit uns gleich gekleidetenKnechten, und wie diese aus den finstern Schnurbärtcn und den buschigenAugenbraunen so beifällig auf uns blickten, und uns die Pferde zu einemMorgenritte znführten, war etwas so Edles und Beruhigendes indemSchauspiele, daß ich mich innerlichst recht davon erquickt fühlte.

Wir ritten von der großen sanften Dogge begleitet in den Besitzun-gen des Majors herum. Er zeigte mir alles und gab gelegentlich Befehleund Lobsprüche. Der Park, durch den wir zuerst ritten, war eine freund-liche Wildniß, sehr gut gehegt, rein gehalten, und von Wegen durch-