Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
255
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aus, um zu schauen, wie denn jetzt der Tag draußen beschaffen wäre.Es war Abend, Dasselbe Gewitter, welches Ditha sehend gemachthatte, hatte ihm mit Hagel das Hausdach und seinen Nachbarn die Erntezerschlagen — er aber hatte davon nichts gemerkt. Ic'tzt, da er im nassenGrase stand, war alles vorüber. Die Gegend war sehr stille, die Sonneging eben im tiefen Abend unter, und spannte im Morgen, wohin ebendas Gewitter hinauszog, einen weiten schimmernden Regenbogen überdem ganze» dunkeln Grnnd desselben.

Nach Mitternacht kam endlich der ersehnte Arzt, Er hielt es abernicht für gut, das sanft schlummernde Mädchen zu wecken, sondern ord-nete an, daß die Untersuchung erst bei Tageslichte zu geschehen habe.Er billigte übrigens, was Abdias gethan hatte.

Als au, andern Morgen die Sonne aufgegangen war, wurde Ditha'sZimmer nur in so weit gelichtet, daß man den Versuch mit ihr anstelle,ob sie sehe, oder nicht; denn ihr das volle Licht zu gebe», hielt man fürschädlich. Der Versuch war kurz, und der Arzt erklärte, daß sie sehe.Man beschloß nun, daß das Zimmer, das sie nicht verlasse» durste, nurallmählig gelichtet werde, damit sie sich an die Gegenstände, die nach undnach hervortanchten, gewöhne, und das Auge durch allzugroßcn und un-gewohnten Lichtreiz nicht erkranke, Man sagte ihr, sie sei unwohl undmüsse das Zimmer hüten, aber die Krankheit würde bald vorüber gehen,und dann würde sie mit ihren Augen sehen. Sie wußte nicht, was Sehensei, aber sie blieb geduldig auf ihrem kleinen Sessel sitzen, lehnte dasHaupt ans die Lehne desselben zurück, und hatte einen grünen Schirmober den Augen, den sie blos griff. Eine Verhüllung nach der andernwurde von den Fenstern zurückgethan, ein Raum kam nach und nach umsie zum Vorscheine, sie wußte aber nicht, was es sei — die Fensterbalkenwurden allgemach gelichtet — endlich wurden die letzten Vorhänge derFenster empor gezogen-und die ganze große Erde und der unge-heure Himmel schlug in das winzig kleine Auge hinein,-Sie aber

wußte nicht, daß das alles nicht sie sei, sondern ein anderes außer ihrBefindliches, das sie znur Theile bisher gegriffen habe, und das sie auchganz greifen könnte, wenn sie nur durch die Räume in unendlich vielenTagen dahin zu gelangen vermöchte,

Abdias fing nun an, Ditha sehen zu lehren. Er nahm sie bei derHand, daß sie fühle, daß das dieselbe Hand sei, die sie so oft an der