wir sagten, so sehr vereinsamt ist. Es führt keine Straße durch, aufder Wägen und Wanderer kämen, es hat keinen Strom, auf dem Schiffeerschienen, es hat keine Reichthümer und Schönheiten, um die Reiselustzu locken, und so mag cs oft Jahrzehcnte da liege», ohne daß irgend einirrender Wanderer über seinen Rasen ginge. Aber ein sanfter Reiz derOede und Stille liegt darüber ansgegosscn, ein freundlich Spinne» derSonnenstrahlen längs der grünen Fläche, als schienen sie mit Vorzugs-Weiser Liebe und Milde ans diesen Ort, da er gegen Mitternacht durcheinen starken und breiten Landrücken geschuht ist, und so die Strahlengünstig aufnimmt. Zur Zeit, da sich das zutrug, was wir hier erzählthaben, war das Thal ganz und gar unbewohnt: seht steht ein nettesweißes Haus auf seinem Weidcgrnnde, und einige Hütten rings herum,sonst ist cs noch fast öde wie vorher. Einst war nur der weiche Rasen-grund, beinahe ganz ohne Bäume, nur hie und da von einem grauenStcinblocke unterbrochen. Der Rasengrund schwingt sich zu einer sanf-ten Wiege herum, die, wie wir sagten, gegen Mitternacht durch einenansteigenden Landrücken geschlossen ist, auf dessen Höhe ein Föhrenwald,wie ei» mattes Band am Himmel hin zieht; im Mittage aber hat cseine Aussicht, die durch das hereinschauende Blau entfernter Berge um-schlungen ist. Sonst bietet die Wiege auf ihrem Grunde nichts dar, alsdas Grün des Bodens und das Grau der Steine; denn die schmaleSchlange des Baches, der in ihrer Tiefe fließt, ist dem betrachtendenAuge von mäßiger Entfernung aus nicht mehr sichtbar.
An der Mitternachtseite dieses Thaies, jenseits des Föhrenwaldes,beginnen wieder die von Menschen gepflegten Gegenden, namentlichstehen die Felder gerne in großen Strichen hin mit der blauen Blume desFlachses bepflanzt. Auch gegen Mittag in nicht gar großer Entfernungsind wieder bebaute Fluren. Nur die Thalwiege, wie das oft bei Land-bebauern geschieht, weil sie in der That dem Anbauer größere Hinder-nisse entgegen sehte, stand im Rufe der gänzlichen Unfruchtbarkeit. Esward nie ein Versuch gemacht, zu ergründen, ob sich dieser Ruf bestätige,sonder» man nahm ihn von vorne hinein als wahr an, und so lag dieWiege Jahrhunderte hindurch unbenüht da. Es ging nur ein sehrschmaler, an den meisten Stellen blos durch das niedergetretcne Graserkennbarer Pfad durch das Thal, auf welchem Pfade regelmäßig imFrühliuge und Herbste einzelne Bewohner eines ziemlich entfernten Berg-