Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
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andern Taz habe ich mit mir allein zugebracht. Am folgenden bin ich zudem Obrist hinauf gegangen. Er hat mir seine Lebensgeschichte erzählt,und hat mich sehr erschüttert. Dann hat er mich gefragt, ob ich zu Mar-garita hinüber gehen wollte, um mit ihr gütig zu reden ; und da ich ein-gewilligt hatte, führte er mich durch den Gang und über die gelbe Rohr-matte in ihr erstes Zimmer hinein. Ais sie in demselben nicht war. sagteer, ich solle hier warten, er werde sie holen dann werde er selber nichtmehr heraus kommen, sondern durch das Büchcrzimmer in seine Stubezurück gehen. Er kam auch nicht mehr heraus cs öffnete sich schwachder halbe Thürflügcl, den der Obrist hinter sich offen gelassen hatte, undMargarita trat heraus. Ihre Augen waren auf mich gerichtet. Sic warso einfach schön, wie das Ding, wovon sie den Namen hat; denn Mar-garita heißt ja in der alten Rvmcrsprache die Perle. Der Obrist hattenichts von dem gesagt, was ich hatte thun wollen, ich erkannte es wohl;denn sie hätte mich nicht mehr angesehen. Sie ging bis in die Mitte desZimmers hervor, wo ich stand, ich reichte ihr die Hand, wie wir cs ge-wöhnlich thaten, wenn wir in früheren Zeiten zusammen gekommen wa-ren, sie nahm die Hand an, und dann ließen wir sie wieder los.

Margarita." sagte ich,Euer Vater hat bei Euch fürgesprochcn,daß ich zu Euch herüber kommen, und mit Euch reden dürfe. Wir wer-den nun nicht mehr so oft zusammen kommen, und werden nicht so oft

mit einander durch die Felder und Wälder gehen wie bisher-ich

werde weniger in das Haghaus herauf gehen können, als cs in den ver-gangenen Zeiten der Fall gewesen ist-fürchtet Euch nicht, ich

werde heute nicht so reden, wie vorgestern, sondern gut und ruhig ichwerde Euch um nichts bitten."-

Sie hatte während dieser Worte nicht geantwortet, obwohl sie inZwischenräumen gesagt worden waren, sondern war vor mir gestanden,und hatte ihre Arme an ihrem Kleide niedcrhängcn lassen.

Margarita," sagte ich dann wieder,verzeihet mir."

Ich habe Euch nichts zu verzeihen," antwortete sie,Ihr habt mirnichts gethan."

Während wir diese Worte sprachen, kam der Obrist wieder durch dasBüchcrzimmer zu uns herüber, und trug etwas in der Hand. Da er biszu uns gelangt war, legte er cs auf den Tisch nieder und sagte:Hiersind einige getrocknete Stämmchen Edelweis. Sie sind die Hälfte von