Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

41

zu finde» gehofft hotte. Ich ober sagte ihm, daß wir uns verirrt hätten,und daß wir sehr gerne wissen möchten, ob die Riese gangbar wäre undzweien Menschen als Steg dienen könnte,Freilich kann sie diene»,antwortete er, vor einem Augenblicke sind alle meine Kameraden hin-über gegangen fünf an der Zahl; ich mußte nur umkchren, weil ich dieSchussel am Fcnerplatzc vergessen hatte. Sie warten an der Wand aufmich, Ihr werdet es gleich hören," Nach diesen Worten that er einenRuf mit der Stimme des Gebirgjanchzcns, daß cs in allen Spaltenklang: von drüben antworteten sie, daß cs ebenfalls klang. Es war fastschön, da auch der Abend rings um uns herum war. Ich schlug nunvor, daß wir jetzt alle drei mit einander über die Riese gehen könnten.Er willigte ein, und sagte, daß wir die Frau in die Mitte nehmen sollten. Errichtete den Alpenstock so, daß ich ihn vorne und er hinten nahm, damit sichdie Frau daran wie an einem Geländer halte. Das Hündchen hatte sic sichnicht nehmen lassen selber zu tragen, Sv gingen wir auf die Brücke, diein der Abenddämmerung wie eine gezogene Linie war. Ich hörte, da wirauf dem Holze gingen, nur seine Tritte mit den schwerbcschlagenenSchüben, die ihrigen aber nicht. Als wir noch ein Kleines von demEnde der Riese waren, sagte der Holzknccht leise:Sitztnieder," auchempfand ich, daß der Stock in meiner Hand leichter werde, ich schauteplötzlich um und denkt Euch: ich sah nur ihn allein. Es kam mir einschrecklicher Gedanke, aber ich wußte nichts weiter, meine Füße hörten indem Augenblicke auf, den Boden zu empfinden, die Tannen wogten wieKerzen an einem Hängclcnchter auf und nieder dann wußte ich nichtsmehr,"

Hier hörte der Obrist zu reden auf, und schwieg eine Weile. Ichdachte Anfangs, daß er sich nur sammeln wolle, aber als ich genauerhin schaute, sah ich in der Dämmerung, daß ihn, schnelle Thronen, einenach der andern über den weißen Bart herab träufelten, und daß er sichsehr stille hielt, damit ich cs nicht bemerke. Ich konnte vor gebrochenemHerzen auch nichts reden, und begriff nun, warum er hie Fenstervorhängcherab gelassen hatte. Ich wollte die Schamhaftigkeit des alten Mannesnicht stören, und sah nicht hin. Nach einer Zeit wischte er mit seinemAermel über Bart und Antlitz, und setzte dann gefaßt seine Rede fort:Sie lag unten zerschmettert. Still sich opfernd, »sie es ihre Gewohn-heit war, ohne einen Laut, um mich nicht in Gefahr zu bringen, war sie